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allzufreigebiger Großmuth dem Churfürſten von Baiern zurückgegeben hat!— Ew. Majeſtät werden doch ohne Zweifel nicht Willens ſein, Ihr Erbgut Preis zu geben, damit der Erſte Beſte es ſich nehmen kann?
Maria Thereſia antwortete nicht ſogleich, ſte hatte ihr Haupt geſenkt und ihre Stirn berührte faſt das Papier, auf welchem die baieriſchen Lande verzeichnet waren. Neben ihr ſtand der Kaiſer, ſeine großen blauen Augen in athemloſer Erwartung und Spannung auf die Kaiſerin gerichtet, ihr gegenüber an der andern Seite des Tiſches Kaunitz mit ſeinem ehernen gleichgültigen Geſicht, ſeinen kalten un⸗ durchdringlichen Mienen. Keiner von ihnen wagte es, die feierliche Stille dieſes Momentes nur durch ein Wort, einen lauten Athemzug zu unterbrechen. Beide waren ſie ſich bewußt, daß dieſer Augenblick berufen ſei, über ein großes und folgenreiches Ereigniß zu entſcheiden und Deutſchland den Krieg oder Frieden zu geben. 3
Auf einmal richtete Maria Thereſia ihr Haupt wieder empor, und ihre Augen hefteten ſich mit einem raſchen Blick auf den Kaiſer und Kaunitz hin.
Hab's ja geſagt und gewußt, daß Ihr Zwei einig ſeid, und daß ich nichts werd' ausrichten können gegen Euch Zwei, ſagte ſte mit
einem tiefen Seufzer. Fühl's wohl, daß in dieſer Sach' nit Alles ſo iſt, wie es ſein ſollt, und weiß gewiß, daß man uns des Länder⸗ raubes und der Willkür anklagen wird, wenn wir nit durchkommen
und nit ſtegen in dieſer Angelegenheit, aber glaub' auch, daß man unſere Rechte anerkennen und uns für befugt halten wird, die Erb⸗ ſchaft Baierns zu beanſpruchen, wenn es ein fait accompli iſt, und wenn es uns gelingt, zu behalten, was wir beanſpruchen. Der Er⸗ folg entſcheidet in den Augen der Menſchen auch über das Recht, und nur wer unterliegt, den ſchmähen ſte. Hat die Welt es dem König von Preußen verziehen, daß er uns Schleſien nahm, wird ſte uns auch verzeihen können, daß wir uns Baiern nehmen. So mög's denn geſchehen in Gottes Namen, wie der Kaiſer und der Fürſt es wollen und für Recht erkennen. Das Eine aber bitt' ich, nehmt nichts, was wir nicht das Recht haben zu nehmen. Ich ſehe es voraus, werde doch zum Krieg kommen und ich möchte meine Tage ſo gerne in Frieden beſchließen!*)
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*) Der Kaiſerin eigene Worte. Siehe Wraxall I. S. 311.
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