Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

pfen,

s nit e die

riſten

in für

iſchen greich ihm l und

ugend

doſtph

Pläne

aunitz

Buſen

19

ſpruchen kraft des Lehnsbriefes Kaiſer Sigismunds an Albrecht von Oeſterreich.

Wir müſſen dieſe Diſtricte von Oberbaiern ſogleich durch unſere Soldaten beſetzen laſſen, ſagte der Kaiſer haſtig. Niemand wird unſer Recht auf dieſe Erbſchaft beſtreiten können, und wir müſſen eilen, ſie in Beſitz zu nehmen.

Die Kaiſerin ſeufzte und blickte mit trübem Sinnen auf die Karte hin. Ja, ſeufzte ſie leiſe vor ſich hin, auf dem Papier ſieht Alles gar friedlich und ſchön aus, und auf dem Papier läßt ſich Alles be⸗ weiſen und erklären! Der Herr Fürſt erobert da mit ſeinem Vorder⸗ finger ganz Oberbaiern und es ergiebt ſich ihm auf dem Papier. Im Leben mag's anders kommen. Ihr habt da die Berge und die Flüſſe, die Wälder und die Landebenen vorgezeichnet, aber nit die Herzen und die G innung der Menſchen; davon ſteht nichts auf dem Papier, und doch werdet Ihr das Land nimmer gewinnen, wenn Ihr die Herzen nit gewonnen habt.

Wir werden uns die Herzen gewinnen durch offenes und herz⸗ liches Entgegenkommen, rief der Kaiſer glühend. Wir werden den Baiern ihr kleines Vaterland freilich nehmen, aber wir werden ihnen ein größeres dafür bieten, wir werden ihnen Deutſchland bieten, wir werden die Baiern in Deutſche verwandeln, und eines Tages werden

ſſie ſtolz darauf ſein, daß ſie zuerſt den Impuls gegeben, die kleinen zerſtückelten deutſchen Lande zu einigen zu einem großen, freien, mäch⸗ tigen Deutſchland!

Die Kaiſerin antwortete nur mit einem Seufzer, und blickte auf die Karte hin, über welche der ſchlanke Finger des Fürſten wieder ſeine Linien zog.

Hier ſind die Güter und Länder, ſagte Kaunitz ruhig, welche das ausgeſtorbene Kurhaus vom deutſchen Kaiſer zu Lehen getragen.

Und welche zurückzufordern und zu nehmen ich als deutſcher Kaiſer berufen und ermächtigt bin, rief Joſeph ungeſtüm.

Und hier endlich, fuhr Kaunitz fort, ſeinen Finger auf einen andern Theil der Karte heftend, hier iſt die Herrſchaft Mindelheim, auf welche der Kaiſer Matthias dem Hauſe Oeſterreich nicht allein

die Anwartſchaft gegeben, ſondern die bereits ſchon kraft dieſer An⸗ wartſchaft Oeſterreich zugefallen war, und welche Oeſterreich nur aus

2 3 2*