Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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Rechte, denn wir bringen Baiern zum Erſatz für einen despotiſchen, wollüſtigen Herrſcher, deſſen Ohr von Jeſuiten, Maitreſſen und Wucherern belagert wird, das edle, keuſche und uneigennützige Regiment einer tugendhaften Kaiſerin, welche den Baiern ſtatt der Finſterniß das Licht, ſtatt der Heuchelei die Wahrheit, ſtatt des Despotismus die Freiheit geben will. Wir haben politiſche Rechte auf Baiern, denn die alten Erbverträge unſeres Hauſes ſcheinen in ahnungsvoller Weisheit den Moment vorhergeſehen zu haben, wo Oeſterreich nach Innen ſo groß, ſicher und feſt ſteht, daß es nach Außen auf Vergrößerung und Macht⸗ erweiterung denken kann, und deshalb haben unſere Vorfahren uns gewiſſermaßen ſchon eine Thür geöffnet, und uns den Weg geebnet, der uns über die Grenze Baierns nach dem Thron und Beſitz dieſes Landes führt. Oh, Majeſtät, es ſind unſere erlauchten Ahnen, welche aus dieſen beſtäubten, mit ihrer Unterſchrift gezeichneten Documenten die Hand hervorheben und hinüber deutend nach Baiern uns zurufen: „nehmt, was Euer iſt, und was unſer Wort und unſer Gedanke ſchon vor Jahrhunderten für Euch beſtimmt hat!“

Wollt' in Wahrheit, mein Sohn, daß ich dieſen Zuruf meiner Ahnen ſo deutlich vernehmen könnte, wie Du, rief die Kaiſerin. Aber mein Herz iſt zaghaft; wenn ich dieſer Sach', die wir vorhaben, ge⸗ denke, ertönt vor meinen alten Ohren nur wüſtes Kriegesgeſchrei, und das Jammern und Klagen meines armen Volkes, das der Maria Thereſia ſeine Liebe entziehen und ſte verwünſchen würde, wenn ſie es wieder ſeines Friedens und ſeiner Ruhe berauben möchte. Will nit in die Ewigkeit gehen, belaſtet mit dem Fluch meines Volkes, will auch nit als eine ländergierige, zankſüchtige Fürſtin verzeichnet werden in den Büchern der Geſchichte, ſondern will heimgehen zu meinem Franzel, begleitet von dem Segen nnd den Thränen meines Volkes, und von der Geſchichte aufgezeichnet als eine friedliebende und gerechte Fürſtin! Und ſag Er, Herr Fürſt, könnt' ich noch An⸗ ſprüche machen auf dieſen Namen, wenn ich jetzt trachtete, Baiern ſeinem rechtmäßigen Erben zu entziehen, und Oeſterreich vergrößerte auf Koſten Carl Theodors von der Pfalz? Red' Er jetzt, Durchlaucht, ſag Er uns, was er denkt von dieſer Sach'! Im Namen Oeſterreichs und Seines eigenen Gewiſſens fordere ich ihn auf, daß Er uns frei und unverhüllt die Wahrheit ſage!

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