Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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Baiern wirklich ſo gar groß Verlangen hegen, unſere Unterthanen zu werden und ſich Oeſterreicher zu nennen, ſo mögen ſie doch den Muth haben, das frei und offen zu bekennen und uns zu ihren ſelbſtgewählten Herrſchern auszurufen. Denn ich ſag's und wiederhol's, ich will's nit machen, wie der König von Preußen einſt uns gethan, will nit aus meinen Archiven alte vergilbte Documente hervorſuchen, und da⸗ mit beweiſen, daß das Land, was ſeit Jahrhunderten Andere beſitzen, eigentlich Mein ſei, will auch nicht für zweifelhaft Recht das Blut meiner Unterthanen vergießen, und mit frevleriſchen Händen die Fackel des Kriegs entzünden, daß er abermals den Wohlſtand meines Landes und das Glück meiner Unterthanen in Aſche lege. Hab' damals aus tiefſter Seele und beſter Ueberzeugung den König von Preußen einen böſen und ungerechten Mann genannt, weil er alſo gethan, will jetzt nit thun, wie er gethan hat, und nit an Baiern handeln, wie er an Schleſien gehandelt hat.

Und alſo ſoll Oeſterreich dieſe Erbſchaft verlieren, welche ihm gebührt, auf welche es ein unbeſtreitbares Recht hat, rief Joſeph ſchmerzvoll; ſoll ich abermals verdammt ſein, mit unthätigen Händen, in müßiger Ruhe von ferne und im Dunklen zu ſtehen, während die Weltgeſchichte mit ehernem Schritt durch Deutſchland dahin ſchreitet, und ihre ſpähenden Blicke umherirren läßt nach einem Mann, der Deutſchland liebt, der den Muth hat, es groß, mächtig nnd einig machen zu wollen, und ohne Scheu vor dem Gerede der Welt den Augiasſtall der deutſchen Reichskammer zu reinigen, all das kleine Gewürm und Geſchmeiß, welches ſich da feſt geniſtet, zu verjagen, und die kleinen Kronen einzuſchmelzen, auf daß daraus die einzige große Kaiſerkrone Deutſchlands hervorgehe? Oh, ſagen Ew. Majeſtät nicht, daß ich dieſen ſchönſten Traum meines Lebens wieder aufgeben muß, daß es mir nicht vergönnt ſein ſoll, zu thun, was ich muß und kann, dem armen Deutſchland ſeine Einheit und Kraft wiederzugeben, und ihm in Wahrheit ein Kaiſer zu ſein. Nehmen Sie Ihr Wort zurück, Majeſtät, ſagen Sie nicht, daß Sie Baiern aufgeben wollen, weil es möglich ſei, daß man unſere Rechte auf Baiern bezweifeln kann. Und wären unſere materiellen Rechte noch zweifelhafter, als ſie gs ſind, ſo haben wir dennoch moraliſche und politiſche Rechte auf Baiern, welche Jedermann anerkennen wird und muß, moraliſche