Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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land und allein dazuſtehen, oder ob es die patriotiſche Seelengröße hat, aufzugehen in dem großen Ganzen, oder das Preußenthum auf⸗ zugeben, um Deutſchland anzugehören? Oh, ich beſchwöre Ew. Maje⸗ ſtät, wollen Sie jetzt nicht wanken und zaudern, unſer Recht an⸗ zuerkennen, und die Hand auszuſtrecken nach dem, was unſer iſt. Wollen Sie auch bedenken, daß Baiern ſelbſt uns mit angſtvollen hoffenden Blicken entgegenſchaut, daß es zittert vor den Erbanſprüchen des Churfürſten Carl Theodor von der Pfalz, welcher der einzige noch lebende Erbnachfolger des verſtorbenen Churfürſten iſt. Baiern weiß, daß es von dieſem Mann nichts zu hoffen hat, daß er ihm nicht Glück, Wohlſtand und die Ausſicht auf eine dauernde Danaſtie mitbringt, ſondern daß er einziehen wird in ſein neues Erbe Baiern, umgeben von ſeinen Maitreſſen, welche einen ganzen Schwarm natürlicher Kinder mitbringen. Baiern weiß, daß Carl Theodor zu deren Be⸗ reicherung, da er ein zärtlicher Vater iſt, die bairiſchen Lande aus⸗ ſaugen und plündern wird, um ſeinen Kindern, denen er keine Krone, keine Ehre und keinen Namen geben kann, mindeſtens Geld und Beſitz zu hinterlaſſen. Oh wollen ſich Eure Majeſtät alſo des un⸗ glücklichen Baierns erbarmen, wollen Sie es erretten aus den Händen der Wüſtlinge, der Pfaffen und Finſterlinge, welche das Ohr Carl Theo⸗ dors umlagernund mit ihren unzüchtigen Liedern und ihrem frommen Geplärr ihn betäuben und verwirren, daß er ein willenloſes Werk⸗ zeug in ihren Händen wird. Ew. Majeſtät haben die Jeſuiten aus Ihren Landen verjagt, vollenden Sie jetzt Ihr Werk, verjagen Sie die⸗ ſelben auch aus Baiern, wo ſie Zuflucht und Schutz gefunden haben, und wo ſie herrſchen würden, wenn Carl Theodor von der Pfalz der Nachfolger des verſtorbenen Churfürſten werden könnte. Haben Sie Mitleid mit dem unglücklichen Baiern, erlöſen Sie es von den Wirren und neuen Unruhen und Erbfolgeſtreitigkeiten, die es un⸗ vermeidlich bedrohen, wenn der entnerote, kraftloſe, alternde Carl Theodor ſterben würde, und Baiern abermals nach einem Nachfolger zu ſuchen hätte.

Nun ich mein' doch, daß der Nachfolger für Carl Theodor nit ſo ſchwer zu finden iſt, und daß der Herzog Carl von Zweibrücken

wohl bereit iſt, ſein Erbe in Anſpruch zu nehmen, rief Maria Thereſin

heftig. Wenn's aber wahr iſt, was der Kaiſer ſagt, wenn die guten