Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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und geleiſtete Verſprechen niemals zurücknimmt. Ich habe Ew. Ma⸗ jeſtät eines Tages geſchworen, daß ich mein ganzes Leben und die ganze Kraft meines Geiſtes und meines Kopfes dem Dienſte Oeſterreichs weihen wolle, und ich werde mein Wort treulichſt erfüllen, es ſei denn, daß Ew. Majeſtät mich meines Schwurs entbinden und mich gehen heißen!

Ach, das heißt, Er droht mir ſchon wieder mit ſeiner Amtsnieder⸗ legung? rief die Kaiſerin heftig. Er will Sich wieder einmal zurück⸗ ziehen, wenn ich ihm nit beiſtimme und will nit mehr mein Miniſter bleiben, wenn ich Meinem Willen und nit dem Seinen folge. Laß Er es ſich aber geſagt ſein, daß die Maria Thereſia feſt entſchloſſen iſt, bis an das Ende ihres Lebens die regierende Kaiſerin zu ſein, und daß weder ihr Mitregent noch ihr Miniſter ſie daran hindern ſollen. Und jetzt, da Ihr Beide das wißt, jetzt laßt uns frei und offen mit einander reden, und uns zu einer Staatsconferenz mit einander vereinigen. Ich erſuche den Kaiſer hier an meiner Seite Platz zu nehmen, und Er, Herr Fürſt, wird die Güte haben, ſich mir da gegenüber zu ſetzen. Mag Ihm gern Aug' in Auge ſchauen, in Seinem Antlitz leſen, ob ſein Herz wahr und aufrichtig meint, was die diplomatiſchen Lippen ſprechen. Und jetzt, da wir Alle unſere Plätze eingenommen, jetzt erſuche ich zuerſt den Herrn Kaiſer, mir grade und offen ſeine Meinung zu ſagen, und was Er meint, das wir zu thun haben bei dieſem unerwarteten Ableben des Churfürſten von Baiern?

Grade und offen dann, rief Joſeph raſch, ich meine, daß wir ſofort unſere Regimenter marſchiren laſſen müſſen, um Baiern, welches jetzt, nach dem Ausſterben des Wilhelminiſchen Mannesſtammes, zum Mindeſten ein eröffnetes Reichslehen iſt, zu beſetzen, und es dem Hauſe Oeſterreich, welches unbezweifelte Rechtsanſprüche auf dieſes Reichslehen hat, zu erhalten.

Hat Oeſterreich wirklich unbezweifelte Rechtsanſprüche an das Chur⸗ fürſtenthum Baiern? fragte Maria Thereſta mit erzwungener Ruhe.

Der Kaiſer ſah ſeine Mutter mit ſtaunenden und fragenden Blicken an. Haben Ew. Majeſtät nicht die Gnade gehabt, die Schriften, und Actenſtücke zu leſen, welche unſere Geſchichtsſchreiber und Hiſtorio⸗ graphen auf meinen Wunſch verfaßt haben, und welche ich die Chre hatte, Eurer Majeſtät zu übergeben?

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