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Der Kaiſer verneigte ſich. Ew. Majeſtät müſſen mir das Zeugniß geben, daß ich niemals gewagt habe, mich gegen den gebieteriſchen Willen meiner Kaiſerin aufzulehnen, ſondern mich demſelben immer in Demuth und Gehorſam unterworfen habe. Aber, da wir jetzt mit dem Inhalt der Depeſche fertig ſind, werden Ew. Majeſtät wohl erlauben, daß ich den Fürſten aus ſeinem Verſteck hervorhole, damit er Theil nehme an unſerer Berathung?
Maria Thereſia nickte leicht mit dem Kopf, und indem der Kaiſer raſch das Zimmer durchſchritt, ſchlug er die Vorhänge zurück, hinter welchen der Fürſt ſich verborgen hatte, um nichts von der fürchter⸗ lichen Unterredung zu vernehmen.
Kommen Sie, Durchlaucht, flüſterte Joſeph leiſe und haſtig. Helfen Sie mir die Kaiſerin zu überzeugen, daß Baiern unſer ſein muß. Ich fürchte, es wird einen harten Kampf geben.
Bei welchem wir indeß ſiegen werden, ſagte Kaunitz gelaſſen, ſich von ſeinem Sitz aufrichtend und dem Kaiſer folgend, der ſich jetzt wieder ſeiner Mutter näherte..
Maria Thereſia ſchaute Beiden mit finſtern Blicken und einem trüben Lächeln entgegen. Seh's wohl an Curen Geſichtern und an Euren Mienen, daß Ihr Beide einig ſeid, ſagte ſie haſtig, daß der Kaiſer und der Fürſt zwei Bundesgenoſſen ſind, welche es ſich vor⸗ genommen haben, meinen Widerſtand zu beſiegen. Ja, Ihr ſeid Eurer Zwei, und ich,— ich bin allein, bin immer allein, ſeit mein ſchöner und lieber Kaiſer Franz mich verlaſſen hat, bin immer einſam und allein, und muß meinen Willen durchfechten gegen Euch Zwei, oder muß nachgeben wider meinen Willen. Es iſt aber nit rühmlich, denk! ich, ſich Zwei gegen Einen zu ſtellen, und ſollt' eigentlich vermeinen, daß des Fürſten Platz an meiner Seite iſt, und nit da drüben bei dem jungen Kaiſer, der es macht, wie alle Nachfolger es ihren Vor⸗ gängern thun, der mir opponirt, und meint, daß er Alles beſſer weiß, als ſeine Kaiſerin und Mutter. Sag Er doch, Herr Fürſt, will er mir auch opponiren und wider mich ſein? Will Er auch Seine Kaiſerin verlaſſen und ihr die Treue brechen?
Es lebt Niemand auf der Welt, welcher ſagen kann, daß Fürſt Kaunitz ihm die Treue gebrochen hat, ſagte Kaunitz feierlich, ganz Europa weiß, daß Kaunitz ein Mann von Wort und von Ehrre iſt,


