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Nein, mein Sohn, ich danke Ihnen, ſagte die Kaiſerin trübe. Wir wiſſen, was uns zu wiſſen nöthig iſt. Der Churfürſt'iſt todt, der Sohn meines Feindes, welcher mir einſt mein Erbe entziehen wollte und mit mir als Kaiſer Karl VII. um meine Lande und um meine Kaiſerkrone kämpfte, er iſt todt, und ſeine Herrlichkeit iſt in Staub zerfallen, wie die Herrlichkeit ſeines Vaters.
Ja, er iſt todt, der Churfürſt Maximilian Joſeph, ſagte Joſeph ernſt, der Bruder meiner Feindin, welche zwei Jahre lang den harten Kampf der Ehe mit mir gekämpft hat, iſt heimgegangen zu ſeiner Schweſter, der Kaiſerin Joſepha, zu ſeinem Vater, dem Kaiſer Karl, denen Beide die Kaiſerkrone des Hauſes Oeſterreich das Haupt ſo ſchwer niedergebeugt hat, daß der Tod allein es wieder aufzurichten vermochte! Ich habe es Joſepha, ſo lange ſie lebte, niemals verzeihen können, daſt ſie meine Gemahlin geworden und mich mit der Schmach dieſer ſchauerlichen Ehe belaſtet hatte; jetzt aber in dieſer Stunde vergebe ich es ihr, vergebe ihr alles Leid, das ich durch ſie erduldete, denn in dieſer Stunde reicht mir die todte Kaiſerin aus dem Grabe den Brautſchatz dar, und ernennt mich zu ihrem Erben. Dieſer Braut⸗ ſchatz heißt Baiern, und wir müſſen uns beeilen, ihn anzunehmen, bevor Andere uns zuvorkommen.
Die Kaiſerin erbebte, und heftete ihre großen Augen mit einem Ausdrucke des Schreckens auf das ſtrahlende Antlitz ihres Sohnes.
Will mir der Herr Kaiſer ein Gegenſtück liefern zu der unglück⸗ lichen Theilung Polens? fragte ſie haſtig. Hab' noch auf meiner Seele und meinem Gewiſſen dieſe Laſt der polniſchen Erbſchaft liegen, die wir auch ohne Teſtament und Recht an uns genommen, kann's noch immer nit verwinden, daß ich, bloß weil wir die Stärkeren und Kräftigeren waren, dem kleineren unglücklichen Nachbarn Polen nahm, was ſein war, und was er nur nit feſthalten konnte, weil ſeine Hände ſchwach und fieberkrank waren. Werd’ aber nimmer meine Einwilligung geben, daß wir abermals ſo handeln und uns bereichern auf Koſten eines ſchwächern Nachbarn. Laſſe der Herr Sohn ſich das geſagt ſein, und verſuche er nit wieder, mich zu ſeinem Willen zu bekehren, denn ich ſag' ihm, diesmal wird es ihm nicht gelingen, und mein' doch, daß ich noch immer die Kaiſerin bin, und daß Mein Wille allein mein Land lenkt und regiert.


