In dieſem Augenblick ſtand der Kaiſer hinter ihr, und ſich zu ſeiner Mutter niederneigend flüſterte er haſtig einige Worte in ihr Ohr.
Maria Thereſia zuckte zuſammen, und die Karten, welche ſie eben vom Spieltiſch genommen, entſanken ihrer Hand. Mit ungewöhnlicher Leichtigkeit und Haſt erhob ſie ſich von ihrem Lehnſeſſel, und ohne ihren Mitſpielenden nur ein Wort der Entſchuldigung und des Be⸗ dauerns zu gönnen, verließ ſie den Spieltiſch, und ſchritt raſch, kaum ſich lehnend auf den Arm des Kaiſers, durch den Saal dahin nach jener kleinen Seitenthür, durch welche Joſeph eingetreten war.
Dieſes Fortgehen der Kaiſerin war ſo ſchnell, ſo unerwartet ge⸗ ſchehen, daß nur der kleinſte Theil der Geſellſchaft daſſelbe bemerkt hatte; ſelbſt die Erzherzoginnen, deren Tiſche umringt waren von Damen und Cavalieren, hatten nichts davon geahnt, und ſpielten ruhig und gelaſſen weiter. Aber wie der Kaiſer ſich ſeiner Mutter genähert und ihr einige Worte zugeflüſtert hatte, ſo näherte ſich jetzt den Prinzeſſinnen der Oberhofmeiſter Graf Dietrichſtein, und flüſterte ihnen einige Worte zu. Sofort ließen die Prinzeſſinnen die Karten fallen und ſich von ihren Sitzen erhebend verließen auch ſie ohne Entſchuldigung und ohne Gruß den Saal, um ſich zurückzuziehen.
Staunend und Lerwundert ſchaute die zurückgebliebene Geſellſchaft einander an, und leiſe flüſterte hier und dort Einer dem Andern in's Ohr: etwas Außerordentliches muß geſchehen ſein! Ein unerwartetes, folgenreiches Ereigniß muß eingetreten ſein, ſonſt würde die Kaiſerin nicht auf ſo ungewöhnliche Art ſich entfernt haben!
Aber worin konnte dies Ereigniß beſtehen? War es die Aus⸗ ſicht auf einen nahen Krieg, was des Kaiſers Antlitz ſo aufleuchten machte in Freude und Stolz, war es eine Todesbotſchaft, welche der Kaiſerin Augen ſo umdüſterte und eine trübe Wolke auf ihre Stirn herniederſenkte?
Niemand wußte das zu ſagen; in ſich gekehrt, verſtimmt und
ſorgenvoll der Zukunft eütgegen blickend zog die glänzende, auserleſene Geſellſchaft, welche einige Minuten zuvor noch mit ſo heiteren, glück⸗ ſtrahlenden Geſichtern ſich um die kaiſerliche Familie gedrängt hatte, ſich zurück, und das Rollen der Wagen, das bald darauf ſich von dem Hof der Burg vernehmen ließ und wie ein lang anhaltender, prallender Donner die jetzt vereinſamten, glänzenden Säle durchhallte, verkündigte,


