Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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jetzt mit mehr Aufmerkſamkeit den Karten zu, und folgte mit theil⸗ nahmsvoller Lebhaftigkeit dem Gang des Spiels, das ſich eben zu ihren Ungunſten zu entſcheiden ſchien. 8

In dem großen von Gold und Spiegeln funkelnden Saal war jetzt eine allgemeine Stille eingetreten, denn gleich der Kaiſerin hatten auch die Prinzeſſinnen ſich zum Kartenſpiel niedergelaſſen, und zwiſchen den vier Spieltiſchen bewegte ſich die übrige Geſellſchaft nur langſam und vorſichtig umher, und ſtand in einzelnen Gruppen leiſe flüſternd da, um das Spiel der Kaiſerin nicht zu ſtören.

Maria Thereſia, wie geſagt, war jetzt ganz und gar mit ihren Karten beſchäftigt, und in dem Eifer dieſer Beſchäftigung bemerkte ſie gar nicht, daß ſich ſoeben einer der Kammerherren dem Kaiſer genähert und ihm leiſe einige Worte geſagt hatte. Dieſe Worte ſchienen aber auf den Kaiſer einen tiefen Eindruck zu machen, denn er hatte ſich ſofort mit raſchen Schritten entfernt, und hatte durch eine Seitenthür den Saal verlaſſen.

Niemanden indeſſen war dieſes Fortgehen des Kaiſers aufgefallen, denn Joſeph, welcher niemals ſpielte, pflegte, ſobald die Kaiſerin all⸗ abendlich ſich an den Spieltiſch geſetzt hatte, ſich in ſeine Gemächer zurückzuziehen, und Niemand zweifelte, daß er auch an dem heutigen Galatage dieſer Gewohnheit gefolgt, welche ihn heute überdies von

dem läſtigen Zwange der Eiikette befreite.

Auch die Kaiſerin Maria Thereſta, welche eben bei einem flüchti⸗ gen Umblicken die Entfernung des Kaiſers bemerkt hatte, ſchien dieſelbe ganz ordnungsgemäß zu finden, ſie ſpielte ruhig weiter, und wandte ſich dabei mit ſcherzenden Worten über ihr unglückliches Spiel an den Oberhofmeiſter von Dietrichſtein, der jetzt neben ihren Stuhl getreten war.

Aber in dieſem Moment öffnete ſich da drüben die Seitenthür, und der Kaiſer trat wieder in den Saal ein. Sein Antlitz war bleich und erregt, ſeine Augen flammten, ſeine Lippen zuckten vor innerer Bewegung, und mit haſtigen Schritten näherte er ſich dem Spieltiſch der Kaiſerin.

Maria Thereſia hatte ihn nicht bemerkt; ſie hatte eben den Grafen Dietrichſtein beauftragt, ſtatt ihrer die Karten zu vertheilen, und lehnte ſich, das Ende der Vertheilung erwartend, in ihre Fauteuil zurüuck,

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