Teil eines Werkes 
3. und letzte Abtheilung, Kaiser Joseph als Selbstherrscher : 1. Band (1857)
Entstehung
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Das Alter hatte mit unerbittlichem Finger ſeine geheimnißvolle Runenſchrift durch das einſt ſo ſtrahlende und ſchöne Antlitz der öſterreichiſchen Kaiſerin gezogen, und die Sorgen und Mühen ihres ſechszigjährigen Lebens waren auf ihrer hohen umwölkten Stirn ver⸗ zeichnet. Und nicht bloß das Alter und die Forgen hatten das Antlitz der Kaiſerin verändert, ſondern ein ſchlimmer Unfall hatte die letzten Spuren einſtiger Schönheit, welche Alter und Sorgen vielleicht noch geſchont hatten, zerſtört. Maria Thereſta war von dem Preß⸗ burger Schloß herabfahrend umgeworfen und ſo ungeſtüm gegen einen Stein geſchleudert worden, daß ſte leblos und blutend neben demſelben liegen blieb. Der harte Schlag hatte beſonders ihr Antlitz getroffen, das aus mehr als einer, von dem ſpitzigen Geſtein verurſachten Wunde blutete, und dieſe verharſchten, gerötheten Wundennarben entſtellten ihr Geſicht und nahmen ſelbſt ihrem Lächeln den Zauber, den es bis dahin trotz ihres Alters immer noch beſeſſen. Außerdem hatte auch die ſchöne, hoheitsvolle Geſtalt der Kaiſerin ſich verändert, die ſchlanke Taille, die ebenmäßige Fülle war untergegangen in der Ueberfülle des Fleiſches, und nur langſam, ſchwerfällig und keuchend bewegte dieſe

coloſſale, ungewöhnlich corpulente und fette Geſtalt der Kaiſerin ſich

jetzt durch die Säle, in welchen ſie einſt, umſtrahlt von Jugend, Schönheit, Glück und Liebe, an der Seite eines angebeteten Gemahls leicht und anmuthig dahingeſchwebt war.

Nur Eins war unverändert geblieben an der Kaiſerin, das waren ihre Augen, dieſe großen, brennenden Augen, welche im raſchen Wechſel bald aufleuchteten im Blitz der Heiterkeit und des Wohlwollens, bald ſich verfinſterten zu flammenden Zornesblicken.

Aber heute war in dieſen großen, kühnen Augen der Kaiſerin weder Heiterkeit noch auch Zorn oder Unmuth zu leſen, ſtie blickten vielmehr trübe und gedankenvoll bald im Saal umher, oder hefteten ſich zerſtreut und theilnahmlos auf die Karten hin, welche die Kaiſerin, die ſich eben an den Spieltiſch geſetzt hatte, in ihrer Hand hielt Zuweilen ſchweiften ihre Augen mit einem raſchen, forſchenden Blick. zu ihrem Sohne, dem Kaiſer, hin, der neben ihrem Stuhl ſtand und ſich lebhaft und angelegentlich mit einigen Cavalieren unterhielt. Das heitere, blühende Ausſehen des Kaiſers, ſeine unbefangene, ſorgloſe Miene ſchienen alsdann Maria Thereſia zu beruhigen, ſie wandte ſich

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