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nicht einmal, ſondern oft, haben ſie nicht bloß in Ihren Gemächern geſpielt, ſondern ſogar in den Häuſern Ihrer Freunde in ſpäter Abend⸗ zeit, während der König, Ihr Gemahl, längſt ſchon zur Ruhe ge⸗ gangen war.
Der König geht ſtets ſo früh zu Bett, ſagte Marie Antoinette verlegen.
Und doch geht er Ihnen noch nicht früh genug zu Bett, wenn Sie zu einer Soirée bei irgend einem Ihrer Freunde gehen wollen. Eines Abends, als Sie mit Ihren Damen zum Herzoge von Duras gehen wollten, und nicht warten mochten, bis der König Sie wie ge⸗ wöhnlich um elf Uhr verlaſſen hatte, haben Sie ſelbſt geſchickter Weiſe Ihre Pendule um eine halbe Stunde vorgerückt. Der König ließ ſich täuſchen, und im Wahne, die Stunde des Zubettgehens ſei gekommen, verließ er Sie, und ging in ſeine Gemächer, wo er indeß Niemand fand, um ihn auszukleiden.*) Ganz Paris hat damals gelacht über dieſen muthwilligen Streich der Königin. Können Sie ihn ableugnen, meine Schweſter?
Ich verleugne niemals die Wahrheit, ſagte Marie Antoinette ſtolz. Aber ich bin erſtaunt, mein Bruder, mit welchem Behagen Sie den kleinſten und unſchuldigſten Begebenheiten meines Privatlebens nachgeſpürt haben. z
Eine Königin hat kein Privatleben, kein Kabinet, wo ſie unbemerkt iſt, keine Freundin, der ſie vertrauen darf. Ihr Leben gehört der Oeffentlichkeit und dem Volk an, und wehe ihr, wenn ſie auch nur über Einen Tag, oder Eine Stunde ihres Lebens einen verhüllenden Schleier decken möchte. Der erſte beſte Kammerdiener oder Lakay kann ihn weg⸗ ziehen, kann über die Königin Gerüchte verbreiten, kann das Unſchul⸗ dige zu einem Verbrechen ſtempeln!
Mein Gott, rief die Königin, Sie reden zu mir mit einer Feier⸗ lichkeit, mein Bruder, als wäre ich eine Angeklagte und ſtände hier vor meinem Richter!
Sie ſind eine Angeklagte, meine arme Schweſter! Die öffentliche Meinung klagt Sie an, und das iſt oft noch ſchlimmer, als die Anklage
*) Campan, 1 29.


