Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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hatte Ihnen davon erzählt, nicht wahr? Man hatte mich auch bei Ihnen verleumdet, wie man mich bei dem Könige, bei dem Volke, bei aller Welt verleumdet! Oh, ich weiß es ja, man will mich verhaßt machen, und man erzählt ſich, daß ich mir hier eine Art petite maison eingerichtet habe; man macht ſogar unzüchtige Lieder darüber, welche man auf dem Pont⸗neuf ſingt, und welche den Grafen von Provence weinen machen vor Lachen!

Ja, meine Schweſter, ich habe alle Anklagen gehört, welche man gegen Sie ſchleudert, und Sie haben Recht, ich kam hieher, um Ihr Aſyl zu prüfen.

Nun, Sie ſehen es jetzt, Joſeph. Dieſe beiden Zimmer, das iſt mein Aſyl! Dort jene Thür führt in die Zimmer der Prinzeſſin von Lamballe, und niemals bin ich hier ohne ſie.

Aber Sie ſollten niemals hier ſein, rief Joſeph. Dieſe Zurückge⸗ zogenheit ziemt Ihnen nicht, und wehe Ihnen, wenn jemals ein Mann außer mir Sie in dieſen Zimmern aufſuchen dürfte. Das würde hei⸗ ßen, den ſchlimmen Gerüchten, welche Ihre Feinde über Sie verbreiten, eine Beſtätigung geben!

Mein Gott, rief die Königin mit dem Ausdrucke wahren Entſetzens, was ſagt man denn von mir? Ich bitte, ich beſchwöre Sie darum, mein Bruder, ſagen Sie mir die Wahrheit!

Was würde es nützen, meine Schweſter, Ihnen die albernen Mähr⸗ chen, die elenden Anekdoten zu wiederholen, welche Ihre Feinde über Sie verbreiten. Nicht dazu kam ich hieher, ſondern nur um Sie zu warnen, Antoinette! Es hängt ein Gewitter über dem Himmel Frank⸗ reichs, und wehe Ihnen, wenn es nicht vorüberzieht, denn es wird mit ſeinen Blitzen den König und Sie zerſchmettern!

Ich fühle das, wie Sie, mein Bruder, und gerade deshalb, gerade um der Angſt zu entfliehen, welche mich in den vergoldeten Sälen, und unter dem Prunk meines Königthums zuweilen erfaßt, fliehe ich hieher in mein Aſyl, wo ich vergeſſe, daß ich die Königin bin, welche umgeben iſt von einem Hof, den ich nicht liebe, und der mich haßt und ver⸗ leumget; wo ich vergeſſe, daß ich die Gemahlin bin eines Königs, der mich flieht gleich allen Uebrigen, und mir niemals ein Zeichen ſeines Vertrauens, ſeines innerſten Verſtändniſſes gegeben hat! Hier, mein