Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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ſie fürchtete täglich in ähnlicher Weiſe von Joſeph gekränkt zu werden und war daher gleich dem Könige, gleich den Prinzen und ihren Ge⸗ mahlinnen froh, als dieſer ſo ſehnlich erhoffte und ſo froh begrüßte Beſuch des Kaiſers ſeinem Ende nahte. Aber dennoch, als die Stunde des Abſchieds kam, als der Kaiſer ſie umarmte, um von ihr zu ſcheiden, überkam ſie ein tiefes Schmerzgefühl, und mit aufrichtigen Thränen, nicht achtend der düſtern Blicke des Königs und des ſpöttiſchen Lächelns des Grafen von Provence, warf ſie ſich an das Herz ihres Bruders und küßte ihn mit zärtlicher Schweſterliebe.

Der Kaiſer zog die Schweſter ſanft an ſein Herz, und indem er das that, flüſterte er leiſe in ihr Ohr: Sie haben mir verſprochen, mir vor meinem Scheiden eine geheime Znſammenkunft zu gewähren. Ich bitte Sie jetzt darum. Senden Sie Jemand zu mir, der mich in Ihr Aſyl führt?

Die Königin blickte erſtaunt zu ihm auf, und ihre Thränen ver⸗ ſiegten. In mein Aſyl? fragte ſie leiſe. Wer ſagte Ihnen davon?

Still, meine Schweſter, ſehen Sie denn nicht, daß Aller Augen auf uns ruhen, daß der König argwöhniſcher wird? Wollen Sie mich dort empfangen?

Ich werde heute Abend Louis ſenden, um Sie abzuholen, flüſterte die Königin, indem ſie ſich aus den Armen des Kaiſers emporrichtete, und mit einem Lächeln zu dem Könige hinſchritt.

Die Königin hielt Wort. Während alle Welt glaubte, daß der Kaiſer ſchon abgereiſt ſei, während die Equipagen und das Gefolge des Kaiſers ſchon Paris verlaſſen hatten, begab ſich der Kaiſer, be⸗ gleitet von Louis, dem treuen Kammerdiener der Königin, noch einmal nach den Tuilerieen, um ein letztes, vertrauliches Abſchiedswort mit ſeiner Schweſter zu wechſeln. Durch eine kleine Seitenpforte trat er in das Schloß ein, und ſchritt durch die Gänge und Corridore, immer Louis folgend, welcher in einiger Entfernung vor ihm herſchritt und ihm als Wegweiſer diente. Ueber dunkle Corridore und enge, düſtere Treppen ſtiegen ſie eine Zeitlang empor, bis endlich Louis vor einer kleinen Thür ſtill ſtand, die er mit einem Schlüſſel, den er aus ſei⸗ ner Taſche zog, aufſchloß. Dann, bevor er die Thür öffnete, klopfte er

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