Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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Nein, Sie irren nicht, mein Herr, ſagte Rouſſeau leiſe, dieſe Diſ⸗ ſonanz iſt da, ſie durchklingt ſchon die Luft von ganz Frankreich, und eines Tages wird ſie ſich auflöſen zu einem fürchterlichen Accord und ſich zu einem Liede geſtalten, welches die Armen und Geächteten, die Verſtoßenen und von der Noth des Daſeins Gebrandmarkten, welches alle Diejenigen ſingen wenden, die jetzt in dem Schmutz ihrer Lumpen und dem Staub ihrer Niedrigkeit außerhalb der Schranken der Geſell⸗ ſchaft ſtehen, die keinem Stande angehören, und keine Rechte haben. Mit dieſem Liede des Haſſes und der Rache werden ſie eines Tages kommen, ihre Rechte des Menſchen einzufordern, und wehe dann De⸗ nen, welche ſie ihnen bisher verweigert hatten. Sie werden eine fürch⸗ terliche Rache an ihnen nehmen!

Und wer ſind Diejenigen, welche dem Menſchen die Rechte des Menſchen verweigern können? fragte der Fremde haſtig.

Es ſind die Bevorzugten und Beſitzenden, ſagte Rouſſeau feierlich, es ſind die Stände, welche Diejenigen hinausweiſen, die zu arm ſind, die Abgaben zu zahlen, und vermeinen, daß das Volk, welches auf der Straße wohnt, von der Arbeit ſeiner Hände lebt, von dem Schweiße jedes Tages jeden Tag friſtet, daß dieſes Volk keinem Stand angehöre, und daher keine Rechte, ſondern nur Pflichten habe. Es ſind die Prieſter und die Ariſtokraten, welche den Sturm heraufbeſchwören, der eines Tages aufbrechen wird, und an ihrer Spitze ſteht der König!

Der König? fragte der König erſtaunt. Was verſchuldet der Kö⸗ nig? Was hat er Uebles gethan?

Er hat das Ueble gethan, daß er geboren worden iſt als der Sohn ſeiner Väter, als der Enkel Ludwig des Funfzehnten, deſſen bö⸗ ſes Beiſpiel die franzöſiſche Nation demoraliſirt hat, deſſen ſchmachvolles Leben auf der Stirn des franzöſiſchen Volkes als ein dunkler Fleck ſteht, den er eines Tages mit Blut von ſeiner Stirn wegwiſchen wird!

Das iſt ein fürchterliches Wort, mein Herr! Sind Sie ein Prophet, welcher in die Zukunft zu ſchauen vermag?

Nicht in die Zukunft, ſondern in die Vergangenheit, und aus die⸗ ſer prophezeihe ich die Zukunft, wie die Auguren es thaten aus dem Fluge der Vögel, und die Zeichendeuter aus allerlei Zeichen und An⸗ deutungen, die ihr Auge zu verſtehen wußte.

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