Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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vorher ſo heiteres Antlitz eine ernſte und zürnende Miene angenommen. Jetzt, als die Königin wieder unterzeichnete, blieb Joſeph neben ihrem Schreibtiſche ſtehen.

Meine Schweſſer, ſagte er, ſeit einer Viertelſtunde ſehe ich Sie Papiere unterſchreiben, ohne dieſelben nur anzuſehen, ja, ſie nur eines Blickes zu würdigen, und ich geſtehe Ihnen, daß ich wahrhaft erſchrocken bin darüber.

Und weshalb ſind Sie erſchrocken, mein Bruder? fragte Marie Antoinette.

Weil es gewiſſenlos und pflichtwidrig gehandelt heißt, ſeinen Namen unter Papiere zu ſetzen, deren Inhalt man nicht zuvor geprüft hat, weil es ſehr wenig Intereſſe und ſehr wenig Sachkenntniß verräth, wenn man ſich ſo ſehr auf ſeine Diener verläßt, daß man nur eigentlich die ausübende Hand ihres Willens wird! Sie ſollten das wohl bedenken, meine Schwe⸗ ſter, und erſt nach reiflicher Ueberlegung und nicht ſo gedankenlos und me⸗ chaniſch Ihre Unterſchrift geben. Nichts iſt gefährlicher für einen Fürſten, als wenn er leichtſinnig und ohne zu prüfen ſeine Unterſchrift giebt.*)

Marie Antoinette erröthete tief und ihre Stirn legte ſich in Fal⸗ ten. Sie fühlte ſich gedemüthigt und beſchämt von der rückſichtsloſen Weiſe, in welcher Joſeph ihr in Gegenwart ihres Untergebenen eine ſo herbe Lehre ertheilte, und der Zorn gab ihr den Muth, dieſe ſofort zu erwiedern. Mein Bruder, ſagte ſie gereizt, ich bewundere in der That, mit welcher Aufrichtigkeit und Leichtigkeit Sie Andern gute Lehren ertheilen, und ihre herrlichen Principien entwickeln. Aber es will mir ſcheinen, als ob man auch die richtigſten Principien falſch anwenden könne, und ich fürchte, das iſt zuweilen bei Ihnen der Fall. Mein Geheimſecretair, Herr von Augeard, welcher mein volles Ver⸗ trauen verdient, präſentirte mir in dieſem Augenblick nur die Ordonnan⸗ zen für die Zahlungen des Trimeſters der Ausgaben für mein Haus, und dieſe Ordonnanzen ſind vorher von der Rechenkammer geprüft; Sie ſehen alſo, daß ich durchaus nicht riskirte, unbedachtſamer Weiſe meine Unterſchrift zu geben!.

Und ich ſehe ferner, daß Sie der Anſicht Ihres Gemahls ſind,

*) Des Kaiſers eigene Worte.