Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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Das iſt eine alte, von der Gewohnheit geheiligte Sitte, ſagte der König lächelnd.

Aber ſie entheiligt das Schloß der Könige, und macht es zu einer großen Marktbude, rief der Kaiſer lebhaft. Das Schloß der Könige aber ſoll heilig ſein, denn es iſt der Tempel der Liebe, welchen das Volk ſeinen Fürſten errichtet hat, und die Fürſten müſſen es daher ehren und hoch halten und es nicht durch ſolche profane Krämerbuden entweihen laſſen. Der Meſſias, welcher einſt die Krämer und Wucherer aus dem Tempel des Herrn austrieb, würde, wenn er dies Schloß, die⸗ ſen Tempel des Königthums beträte, gewiß auch hier die Krämer und Wucherer austreiben!

Niemand antwortete ihm. Alle ſchienen ſie nur damit beſchäf— tigt zu eſſen und mit finſteren Mienen ſchaute Jeder auf ſeinen Teller nieder.

Eine Pauſe trat ein; eine verlegene, angſtvolle Pauſe, welche die Königin endlich unterbrach, indem ſie ſich an den Kaiſer wandte und ihn fragte, ob er noch immer viel Sehenswerthes und Merkwürdiges in Paris fände?

Sie fragen das, meine Schweſter, und wiſſen ja Selber, daß Paris überreich iſt an Sehenswürdigkeiten, ſagte Joſeph lebhaft. Ich habe geſtern die herrlichſten Dinge geſehen, und mein Herz iſt noch ganz erfüllt von den großen Anſtalten, Inſtituten und Sammlungen, welche ich geſtern beſichtigt habe.

Wo waren Sie denn geſtern, Herr Graf? fragte Ludwig, deſſen Geſicht ſich bei den lebhaften und ſchmeichelhaften Worten des Kaiſers aufzuklären begann.

Ich war zuerſt im Invalidenhauſe, Sire, und ich geſtehe Ihnen, dieſes großartige Aſyl der im Kriege erprobten Tapferkeit hat mein Herz zugleich mit Rührung und mit Neid erfüllt, denn ich habe in Wien nichts, was ich dieſem herrlichen Denkmale des Erbarmens und der Dankbarkeit einer ganzen Nation gegen ſeine tapferen Vertheidiger

endlich abſtellte, erwarb ſie ſich dadurch die Feindſchaft aller Krämer und Han⸗ delsleute von Paris, die ſich darüber beklagten, daß ihnen willkührlich ein Pri⸗ vilegium und ein Verdienſt entzogen worden.

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