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Nun, rief der Graf von Provence lächelnd, jetzt beküämmern wir uns Gott ſei Dank nur noch wenig um dieſe Tyrannin Etiquette! Seit Madame Etiquette, die Gräfin von Noailles, ihre Oberhofmeiſter⸗ ſtelle niedergelegt und ſich vom Hof zurückgezogen hat, ſind auch die Ketten, mit welchem die Etiquette uns einſchnürte, zeriſſen und wir be⸗ wegen uns ſo zwanglos und frei, als nur irgend möglich. Dieſe Frei⸗ heit verdanken wir aber allein unſerer ſchönen, königlichen Schwägerin, denn ſie allein hat den edlen Muth gehabt, den Vorurtheilen zu trotzen, und dieſe Ketten zu ſprengen, welche die Königinnen von Frankreich ſeit Jahrhunderten mit ſo viel Geduld getragen haben!
Die Königin dankte ihrem Schwager für dies zweifelhafte Com⸗ pliment nur mit einem finſtern Blick, und beſchäftigte ſich damit die Suppe zu eſſen, welche ihre erſte Ehrendame ihr auf einem Kiſſen knieend und eine ſeidene Serviette über den Arm gelegt, ſoeben dargeboten hatte.*)
Sie haben in der That Grund meiner Schweſter dankbar zu ſein, daß ſie dieſe Kette gebrochen hat, ſagte der Kaiſer lebhaft. Aber ich finde, daß doch noch ein gutes Stückchen der Kette zurückgeblieben iſt, und ſie klirrt Einem bei jeder Stufe nach, die man über die Treppen von Verſailles und Fontainebleau hinauf ſchreitet. Denn ohne Zweifel iſt es doch auch die Etiquette, welche geſtattet, daß die Treppen, Corridore und Gallerien dieſer Schlöſſer den Krämern und Handelsleuten als be⸗ quemer Platz dienen, wo ſie ihre Buden aufſchlagen und ihre Waaren feil bieten können.*)
*) Wenn der König und die Königin in den kleinen Gemächern ohne Ce⸗ remoniell ſpeiſeten, ward der Dienſt bei Tafel immer nur von den Frauen der Königin verſehen, weil die Königin von Frankreich nach den Anordnungen der Etiquette in ihrer unmittelbaren Umgebung immer nur Frauen haben durfte. Die erſte Ehrendame und vier Kammerfrauen im großen Hofkleide waren als⸗ dann mit der Aufwartung bei Tafel beſchäftigt, und auch wenn fremde gekrönte Häupter an der Familientafel theilnahmen, behielten die Frauen den Dienſt. Wenn aber nur Mitglieder der königlichen Familie an der Tafel theilnahmen, zogen ſich die Frauen der Königin zurück und die Controleurs und dienſtha⸗ benden Kammerherren des Königs übernahmen den Tafeldienſt. Die Königin beſeitigte ſpäter auch dies Ceremoniell und übertrug dem männlichen Perſonat ein für alle Mal die Aufwartung bei Tafel. Campan, I. 177.
**) Dieſer Gebrauch exiſtirte damals noch und als Marie Antoinette ihn
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König
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Volk


