Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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Verſchlimmerung herbeiführen würde. Die Baiern richten daher hof⸗ fend und vertrauend ihre Blicke auf die Kaiſerin Maria Thereſia hin, deren Tugend, Größe und Güte ihnen einen Erſatz verſpricht für die Leiden, die ſie bis jetzt erduldet haben unter ihren angeſtammten Herr⸗ ſchern. Die Baiern werden uns alſo ebenſo wenig Schwierigkeiten machen, wie der Erbnachfolger des Churfürſten, und ſo dürfen wir hof⸗ fen, ganz ohne Blutvergießen das Land Baiern der öſterreichiſchen Monarchie einzuverleiben! Der Einzige, welcher vielleicht ſeine Stimme gegen uns erheben möchte, der einzige Gegner, welchen Oeſterreich in Deutſchland hat, iſt der König Friedrich von Preußen, welcher es ſehr liebt, ſeine eigenen Grenzen zu erweitern, aber Zeter ſchreien wird, wenn Andere es auch machen wie Er. Aber er wird es nicht wagen, allein gegen uns aufzutreten, er wird es nicht wagen, ſein Schwerdt gegen uns zu ziehen, wenn er ſieht, daß wir in Uebereinſtimmung mit unſern mächtigen Nachbarn ſind, und daß Frankreich die Rechtsanſprüche Oeſterreichs auf Baiern anerkennt. Dieſe Anerkennung Frankreichs, dieſe Zuſtimmung zu unſern Plänen nachzuſuchen, iſt, wenn meine Reiſe zu Ihnen denn doch durchaus einen politiſchen Zweck haben ſoll, iſt ihr Zweck. Ja, Sire, ich wünſche Sie überzeugen zu können, daß Oeſterreich wohl berechtigt iſt, Baiern bei dem Tode des jetzigen Chur⸗ fürſten in Beſitz zu nehmen, ich wünſche auf das Lebhafteſte, von Frank⸗ reich die Zuſicherung zu erhalten, daß es unſere Berechtigung anerkennt, und, wenn der Moment der That gekommien iſt, uns nicht hindernd in den Weg treten und ſich nicht auf die Seite unſerer Feinde ſtellen wird!— Sie ſehen, mein Bruder, ich rede zu Ihnen mit dem offen⸗ ſten und rückhaltloſeſten Vertrauen, und offenbare Ihnen die Pläne, welche ich bis jetzt nur unter dem Siegel des tiefſten Geheimniſſes ver— handelt habe!

Und ich gebe Ihnen mein königliches Wort, daß ich Ihr Vertrauen nicht mißbrauchen und an Niemand, hören Sie wohl, an Niemand auch nur Ein Wort dieſer unſerer Unterredung mittheilen werde, ſagte Lud⸗ wig, welcher dem Kaiſer mit ſichtbarer Aengſtlichkeit und Verſtimmung zugehört hatte, und deſſen Antlitz den Ausdruck des Unbehagens zeigte. Glauben Sie mir, mein Bruder, Alles, was Sie die Güte hatten mir zu ſagen, iſt ſo gut, als wenn es nicht geſagt worden iſt, denn ich