G
120
Niemand hat es mir geſagt, unterbrach ihn Joſeph lebhaft, aber ich weiß es, ich fühle es, ich habe Ihre Blicke, Ihre Mienen, den Ton Ihrer Stimme beobachtet! Sire, ich frage Sie, warum haſſen Sie mich, da ich Sie doch liebe! Da ich doch hierher gekommen bin, nur um mir Ihre Liebe zu gewinnen, und an Ihnen mir einen Freund, einen Bruder zu erobern. Oder glauben Sie wirklich dieſen albernen Gerüchten, welche man verbreitet hat, glauben Sie, daß ich gekommen bin, mir noch etwas Anderes zu erobern, als nur das Herz des Kö⸗ nigs von Frankreichs? Ich weiß, daß man mich Ihnen als einen ehr⸗ geizigen, länderſüchtigen und nach Erweiterung ſeiner Macht ſtrebenden Fürſten dargeſtellt hat, aber ich beſchwöre Sie, mein Bruder, denken Sie beſſer von mir, und damit Sie es können, will ich ganz frei und offen zu Ihnen reden. Ja, ich leugne es nicht, ich ſtrebe nach Ver⸗ größerung meiner Macht, aber niemals würde ich das thun auf Koſten eines Bundesgenoſſen und eines Freundes! Ich ſtrebe auch nach Erweiterung meiner Länder und meines Beſitzes, aber nie würde ich daran denken, mir Länder zuzueignen, auf welche ich nicht geheiligte und wohlbegründete Anſprüche hätte. Ein ſolches Verfahren wäre ein Raub und eine Ungerechtigkeit, und ich denke meine Regierung niemals mit einer Ungerechtigkeit zu beflecken. Es giebt aber Länder in Deutſch⸗ land, auf deren Beſitz ich Rechte habe, wohl begründetere Rechte, als der König von Preußen auf Schleſien hatte, da er es uns nahm.
Wohlbegründetere Rechte auch, als Oeſterreich auf Galizien hatte, welches es dem Könige von Polen nahm? fragte Ludwig ſcharf.
Sire, wir nahmen Galizien nicht, es fiel uns zu durch die Schwäche Polens, durch die Stärke Rußlands, Preußens und Oeſter⸗ reichs im Bunde. Meine Rechte auf Baiern aber ſind anderer Art, ſie ſind geheiligt durch Erbverträge, und um ſo gewichtiger, als der Churfürſt von Zweibrücken der dereinſtige Erbnachfolger des Churfür⸗ ſten von Baiern, in voller Uebereinſtimmung mit uns und bereit iſt, Baiern an Oeſterreich abzutreten. Auch Baiern ſelbſt wird uns keine Schwierigkeiten machen; das ſchamloſe, üppige und verſchwenderiſche Weſen, welches jetzt am baieriſchen Hofe herrſcht, läßt das arme Volk ſehnſuchtsvoll nach einem andern und beſſern Herrſcher ſich umſchauen, und es weiß gar wohl, daß der Fürſt von Zweibrücken nur noch eine
Verſch fend! deren Leiden ſchern mache fen, Mor gege Deu liebt wen allein gege unſe Oeſ dieſ zu ihr Oe fürf reic und den


