Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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iſt, zuweilen den Purpur und die Krone bei Seite zu legen, und uns als ſchlichte Bürger darzuſtellen. Unſere Höflinge nennen das eine Verkleidung, aber in dieſer Verkleidung wird Einem oft die Lehre zu Theil, wie Niemand es merkt, daß wir was Anderes und Beſſeres ſind, ſondern die Verkleidung ganz einfach und ſchlicht für die Wahrheit hält. Das Volk ahnt nichts von unſerer Majeſtät; es ſcheint, ſie ſteht nicht auf unſerer Stirn und im unſerm Antlitze geſchrieben, ſondern beruht nur in unſerm Purpurmantel, den der Schneider, und in un⸗ ſerer Krone, die der Goldſchmied gemacht hat! Ich empfing dieſe Lehre erſt kürzlich wieder, bevor ich Wien verließ, von einem kleinen Schu⸗ ſterjungen!

Von einem Schuſterjungen? fragte der König mit einem erzwun⸗ genen Lächeln. Es wäre in der That ſehr dankenswerth, wenn der Graf von Falkenſtein uns erzählen wollte, wie der Kaiſer von Oeſter⸗ reich von einem Schuſterjungen über ſeine Majeſtät und Würde be⸗ lehrt ward!

Es war ſehr einfach, Sire! Ich fuhr in meinem einfachen Cabriolet nach Schönbrunn, und bemerkte auf der Straße einen unſerer renom⸗ mirten Wiener Schuſterjungen, der fröhlich ſingend einherging und die Vorübergehenden mit allerlei harmloſen Redereien anrief. Ich fand Gefallen an dem drolligen Weſen des Buben, und lud ihn ein, mit mir zu fahren, was ſich der luſtige Burſche gefallen ließ. Er nahm neben mir auf dem Sitze Platz und ſchaute mit ſeinen großen, brau⸗ men Augen mich gar vergnüglich an, und es gefiel ihm über die Maßen, wie mein Pferd, das ich ſelber führte, ſo luſtig und ſchnell mit dem leichten Wägelchen dahinrollte. Er ſchaute, wie geſagt, mich gar luſtig an, und nicht eine Ahnung von Reſpect und Demuth war in ſeinen friſchen, kecken Zügen, obwohl es das Antlitz eines Kaiſers war, wel⸗ ches er anſchaute. Ich wollte eudlich doch wiſſen, wofür er mich wohl halten möge, und fragte den Buben darnach. Nun, ſagte er, mich mit kritiſirenden Blicken betrachtend, ſein's etwan ein Stallmeiſter?— Rathe höher, entgegnete ich.— Alſo ein Graf? fragte er.— Noch höher!— Etwan gar ein Fürſt?— Noch immer höher!— Der Knabe ſprang von dem Sitz empor, und rief entſetzt: Sein's etwan gar der Kaiſer?— Haſt's errathen, ſagt' ich lachend. Aber der Bube

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