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Der König zuckte leicht zuſammen und blickte ganz erſchrocken in das Antlitz Joſephs. Im Cabaret? wiederholte er verwundert.
Der Graf von Falkenſtein meint im Hötel, Sire, rief die Köni⸗ gin lächelnd. Sie ſehen wohl, es fehlt meinem Bruder noch ein we⸗ nig die volle Gewandtheit unſerer Sprache, und wir werden ihn lehren müſſen, welch ein ungeheurer Unterſchied zwiſchem einem Höôtel und einem Cabaret iſt. Um dieſen Unterricht zu empfangen, mein Bruder, müſſen Sie aber bei uns in Verſailles wohnen, ich bitte Sie noch ein⸗ mal darum. Sie ſollen gewiß in keiner Hinſicht beſchränkt und voll⸗ kommen frei ſein. Auch haben wir Ihnen abſichtlich ſolche Zimmer ausgewählt, die ganz ſtill und fern von jedem Geräuſch ſind.
Ich weiß ſehr wohl, ſagte Joſeph, daß Verſailles außerordentlich groß iſt, und da ſo viele Poliſſons darin wohnen, würde ſich auch wohl für mich noch ein Platz finden. Aber ich habe meinen Kammerdiener ſchon beauftragt, mir in einem Hötel garni in Paris mein Feldbett aufzuſchlagen, und dort werde ich logiren. Reden wir nicht mehr davon!*) Ich bin Ihnen außerordentlich verbunden für Ihre mir gnä⸗ dig angebotene Gaſtfreundſchaft, aber ich kann ſie nicht annehmen. Ich bin hierher gekommen, um zu hören, zu ſehen und zu lernen, ich werde daher früh auf ſein müſſen und ſpät heimkehren, und das Alles würde Sie hier in Verſailles beläſtigen!
Ach, ich glaubte, Sie wären nach Paris gekommen, um den König und mich zu beſuchen, rief die Königin traurig.
Gewiß bin ich das, meine Schweſter, ſagte Joſeph lächelnd, aber Sie werden bald erkennen, daß ich nicht ſo liebenswürdig und bequem bin, wie Ihr gütiges Herz hofft, und es werden viele Stunden kom⸗ men, wo Sie herzlich froh ſein werden, meiner Geſellſchaft überhoben zu ſein. Dieſe Stunden werde ich benutzen, um Ihr ſchönes Paris zu ſehen, meine Kenntniſſe zu bereichern, und Alles das zu lernen, was Sie ſchon wiſſen. Paris iſt ſo reich an Kunſtſchätzen, gelehrten und induſtriellen Anſtalten, daß man ſchon gelehrt und gebildet wird vom bloßen Anſchauen. Sie werden daher in vielen Dingen noch einen ganz ungebildeten Barbaren in mir finden, Sire, und ich habe gar ſehr um Ihre Nachſicht zu bitten!
*) Mémoires de Madame de Campan. V. I. p. 172.


