mal um Verzeihung, daß er ſeinem Herzen erlaubt hat, die Zügel zu nehmen und mit ſeiner Vernunft durchzugehen, ſagte Joſeph mit ſanfter, bittender Stimme. Verzeihen Sie es mir, Sire, daß ich einen kleinen Moment auch das Herz meiner Schweſter in meinen tollen Lauf mit hineinziehen konnte. Es war eine Eroberung, welche die Erinnerungen unſerer Kindheit mir von der Königin von Frankreich verſchafft haben, aber ich lege dieſe Eroberung jetzt zu den Füßen Eurer Majeſtät nieder und bitte Sie, dieſelbe als eine Trophäe Ihres vollſtändigen Sieges über mich anzunehmen.
Er ſchaute den König mit ſo offenen, warmen Liebesblicken an, daß Ludwig ihm nicht zu widerſtehen vermochte und ſich wider ſeinen Willen zu ihm hingezogen fühlte. Der Schimmer eines Lächelns flog über ſein Antlitz hin, und mit einer raſchen Bewegung Joſeph ſeine beiden Hände entgegenſtreckend, ſagte er: Ich heiße Sie von Herzen will⸗ kommen, mein Bruder, und verſichere Sie, das Sie uns in Verſailles ein lieber und willkommener Gaſt ſind. Erlauben Sie mir alſo jetzt, Sie ſelbſt nach Ihren Zimmern zu begleiten und mich ſelbſt zu über⸗ zeugen, daß nichts verſäumt iſt, was zu Ihrer Bequemlichkeit die⸗ nen kann.
Er nahm den Arm des Kaiſers und wollte vorwärts gehen, aber Joſeph machte eine leiſe, abwehrende Bewegung und blieb ſtehen. Sire, ſagte er, ich bin bereit, überall Eurer Majeſtät zu folgen, wohin Sie mich geleiten wollen; aber ich würde es mir niemals verzeihen können, Ihnen um meiner Beqguemlichkeit willen Mühe gemacht zu ha⸗ ben. Ich bin ein Soldat, den viele Strapatzen und Entbehrungen abgehärtet haben, und der des Luxus und der Pracht wenig gewohnt und durchaus nicht würdig iſt. Ich darf daher auch Ihr gnädiges Anerbieten nicht annehmen, denn ich bin durchaus nicht würdig, hier in Verſailles zu wohnen.
Wie, mein Bruder, rief die Königin erſchrocken, Sie wollen nicht in Verſailles bei uns wohnen? Sie verſchmähen es, unſer Gaſt zu ſein?
Ich werde ſtets glücklich ſein, wenn Sie mich als Gaſt an Ihrer Tafel dulden wollen, ſagte der Kaiſer lächelnd, aber es iſt dazu nicht nöthig, daß ich in Verſailles wohne. Wenn ich reiſe, logire ich nie⸗ mals in Schlöſſern, ſondern immer nur im Cabaret.
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