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Meine Schweſter! Meine geliebte Antoinette! antwortete ihr ein eben ſolcher Ton, und Joſeph öffnete ſeine Arme, und Marie Antoinette ſtürzte ſich an ſein Herz; weinend vor ſeliger Luſt, deckte ſie ihre Lip⸗ pen feſt auf die Lippen ihres Bruders, und lachte unter Thränen, und hieß ihn willkommen mit einzelnen, abgebrochenen Worten ohne Zu⸗ ſammenhang.
Tief gerührt, mit Thränen in den Augen ſtanden die Damen der Königin an der andern Seite des Saals. Dieſe ſo ungewöhnliche, ſo unceremonielle Scene war geeignet die lebhafteſte Sympathie zu er⸗ wecken, und man ſah daher ſelbſt Augen, welche wenig gewohnt wa⸗ ren zu weinen, ſich mit Thränen innigſter Rührung füllen.— Nur Ein Herz blieb ungerührt, nur Ein Paar Augen blieben trocken,— das waren die Augen und das Herz des Königs.
Er allein hatte beachtet, was in der allgemeinen Bewegung Nie⸗ mand beachtet hatte, er allein hatte ſich verletzt davon gefühlt, daß Marie Antoinette den Kaiſer nicht begrüßt hatte als Franzöſin, ſondern als Deutſche mit einem deutſchen Wort, und daß der Kaiſer ihr mit einem deutſchen Wort geantwortet hatte. Es war der deutſche Kaiſer, es war die deutſche Erzherzogin, welche da neben ihm ſich in ſo inniger Um⸗ armung verſchlungen hielten, und neben ihnen ſtand der König von Frankreich ganz vergeſſen, ganz unbeachtet!— Es war eine unange⸗ nehme, verlegene Poſition, und König Ludwig war nicht gewandt genug, um ſich einer ſolchen mit Anmuth zu entziehen. Mit gerunzelter Stirn, mit niedergeſchlagenen Blicken ſtand er da, und endlich nicht mehr im Stande, ſeinen Unmuth zu unterdrücken, wandte er ſich ab und that raſch einige Schritte nach der Thür zu.
Aber in dieſem Augenblick legte ſich eine Hand leiſe auf ſeine Schulter, und die volle, ſonore Stimme der Königin fragte: Sie wollen uns verlaſſen, mein Gemahl? Wohin gehen Sie?
Ich war zu früh hieher gekommen, ſagte Ludwig ſcharf. Man hatte mir geſagt, der Graf von Falkenſtein ſei in Verſailles angelangt, und ich kam ihn zu begrüßen, aber es ſcheint, daß man ſich geirrt hat. Ich ziehe mich alſo zurück, bis der Graf wirklich da iſt und ſich mir vorſtellt.
Der Graf von Falkenſtein iſt da, Sire, und er bittet taufend⸗


