Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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den übrigen Miniſtern mittheilen. Jetzt will ich gehen, meinen Schwa⸗ ger willkommen zu heißen!

Der König entließ ſeinen Miniſter mit einem freundlichen Kopf⸗ nicken, und verließ ſeine Gemächer, um ſich zu ſeiner Gemahlin zu begeben.

Marie Antoinette ſtand, umgeben von ihren Damen, in der Mitte des Saals, als der König zu ihr eintrat. Ihre Wangen waren todes⸗ bleich, ein fieberhaftes Beben durchzitterte ihre ganze Geſtalt, ihre glü⸗ henden, feuerſprühenden Blicke flatterten immer wieder nach der großen Hauptthür da drüben hin, durch welche der Kaiſer kommen mußte. Als ſie den König von der Seitenpforte eintreten ſah, ging ſie ihm lebhaft entgegen, und ihn mit einem himmliſchen Lächeln begrüßend, ſagte ſie: Sire, ſoeben iſt der Kaiſer angelangt, und mein Herz hat keine Ruhe mehr hier in dem großen Saal. Es flattert meinem Bruder entgegen, und es ſcheint mir unfreundlich und kalt, daß wir ihm nicht entgegen gehen! Oh kommen Sie, mein Gemahl, eilen wir den geliebten Bru⸗ der zu umarmen. Mein Gott, man wird doch einer Königin nicht ver⸗ wehren wollen, daß ſie ein Herz habe.

Im Gegentheil, man wird es ihr danken, daß ſie eins hat, ſagte Ludwig mit einem ſanften Lächeln. Aber Ihr Bruder würde nicht zu⸗ frieden ſein, wenn wir ſo thun, wie Sie wünſchen. Denn wenn wir ihm entgegen gehen, ſo heißt das, ihn als Kaiſer anerkennen, und Sie wiſſen wohl, daß er durchaus nur der Graf von Falkenſtein ſein will. Ihn alſo anders empfangen, hieße ſeinen Wünſchen zuwider handeln!

Oh die Etiquette, und immer die Etiquette, flüſterte die Königin leiſe vor ſich hin, ihren großen Fächer von Pfauenfedern auseinander ſchlagend, und ſich heftig Kühlung zuwehend. Es giebt kein Mittel ihr hier zu entgehen. Frau von Noailles ſind wir los, aber Madame Etiquette iſt doch geblieben, ſie lauert auf uns in jedem Winkel, ſie verbittert uns jede Freude, ſie—

Die Thür da drüben öffnete ſich, eine männliche Geſtalt erſchien auf der Schwelle, ein lächelndes Antlitz ward ſichtbar, ein paar große,

blaue Augen ſchauten ſie an. Marie Antoinette ſtieß einen Schrei aus und aller Rückſicht und aller Etiquette vergeſſend, ſtürzte ſie vorwärts. Mein Bruder! Mein geliebter Bruder! rief ſie mit hellem Liebeston.

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