Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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ihren erhabenen Bruder ſo lange eingeladen, bis er ihren dringenden Bitten nachgegeben hat, und ſich entſchloſſen hat, Ihro Majeſtät einen Beſuch abzuſtatten.

Ah bah, rief Ludwig ungeduldig, Kaiſer Joſeph iſt nicht ſo weich⸗ müthig, daß er ſich zu ſeinen Handlungen von Familienintereſſen allein beſtimmen ließe. Sagen Sie doch ehrlich, Graf, was halten Sie von dieſer Reiſe?

Ew. Majeſtät befehlen, Ihnen meine aufrichtige Meinung darüber zu ſagen?

Ich bitte Sie darum!

Nun denn, Sire, dann geſtehe ich Ew. Majeſtät, daß dieſe Reiſe des Kaiſers mich und alle übrigen Miniſter vielfach beſchäftigt hat, und daß wir uns über den Zweck derſelben oft beſprochen haben. Ew. Majeſtät haben Recht, Kaiſer Joſeph iſt nicht der Mann, der ſich zu ſeinen Handlungen von Familienintereſſen beſtimmen läßt, und wenn er nach Paris kommt, ſo mag da leicht noch etwas Anderes im Spiel ſein, als die Sehnſucht, ſeine königliche Schweſter zu ſehen. Vielleicht, Sire, hofft er durch ſeine Gegenwart den alten Lieblingswunſch des öſterreichiſchen Kaiſerhofes doch noch erfüllen, und Choiſeul wieder zu Ihrem Miniſter machen zu können.

Nein, ſagte der König heftig, Oeſterreich kann das nicht mehr hoffen, ſeine Spione, und Sie wiſſen, Oeſterreich iſt immer gut bedient, ſeine Spione werden ihm geſagt haben, daß meine Abneigung gegen dieſen Herzog vom Machwerk der Kaiſerin Maria Thereſia unwandel⸗ bar iſt. Der Schatten meines Vaters iſt es, der ihn in Chanteloup feſtbannt, und ich ehre dieſen Schatten, wie ich Alles ehre und befolge, was mir der Wille meines Vaters befiehlt. Stände er, wie es ihm gebührt, und wie es vielleicht nur die frevelnde Hand Choiſeuls ver⸗ hindert hat, auf dem Thron von Frankreich, ſo würde die Allianz mit Oeſterreich, welche uns im ſiebenjährigen Krieg Niederlagen und Schande gebracht hat, welche uns ſpäter überliſtet hat, die öſterreichiſche und die antiöſterreichiſche Partei, ſtände mein Vater an meiner Stelle, ſo würde dieſe Allianz mit Oeſterreich längſt gebrochen ſein. Ich muß äußerlich an ihr halten, denn meine Gemahlin iſt die Tochter Maria Thereſia's, und dies iſt das Band, welches mir die Hände bindet. Ebenſo wenig,