33
Daß Sie uns zu allen Teufeln wünſchen, unterbrach ihn der Fremde lachend. Aber ich kann Ihnen dieſen Wunſch nicht erfüllen, denn ich weiß in der That nicht, wo jene hohen Herren reſidiren, und halte es auch allezeit lieber mit Gott und der heiligen Kirche. Deshalb werde ich auch jetzt hier bleiben—
Sie werden hier bleiben? fragte Herr Etienne verwundert.
Ja, und der feierlichen Handlung, welche Sie vorhaben, beiwohnen! Die Taufe eines Erſtgebornen, das iſt ein ſo feierlicher und großer Act, daß alle Vaterherzen mit Ihnen ſchlagen müſſen! Ich habe auch ein Vaterherz, und nicht wahr, Sie auch, mein Freund? wandte ſich der Fremde an ſeinen Begleiter. Sie wünſchen auch, gleich mir, ein Zeuge der Taufe des jungen Dauphin dieſes Herrn zu ſein?
Wenn wir dafür nachher mit einem guten Mittagsmahl belohnt werden, gewiß, erwiederte der zweite Fremde lächelnd.
Oh, an einem guten Mittagseſſen wird es nicht fehlen, rief Herr Etienne, deſſen Sympathie der erſte Fremde mit ſeinen Worten von dem Vaterherzen raſch gewonnen hatte. Wenn Sie ſo gütig und freundlich der Taufe meines Sohnes beiwohnen wollen, ſo gehören Sie zu meinen Gäſten, und als ſolche werden Sie mir willkommen ſein.
Wir nehmen Ihre Einladung an, mein Herr, ſagte der Fremde lächelnd, indem er ſich raſch aus dem Wagen ſchwang, und ſeinem Begleiter winkte, ihm zu folgen. Erlauben Sie mir nur noch eine Frage, was kommt zuerſt, die Taufe oder das Diner?
Das Diner, mein Herr, kommt nach der Taufe. Aber derſelben vorher geht ein Déjeuner, denn meine Gäſte kommen alle aus der Ferne, und ſind einige Stunden gefahren. Sie ſind alſo natürlich müde und erſchöpft, und bedürfen der Stärkung.
Ich fühle eine lebhafte Sympathie für Ihre Gäſte, mein Herr, ſagte der Fremde, den Arm ſeines Begleiters nehmend, und mit ihm dem Hauſe zuſchreitend. Auch glaube ich, daß man, wenn man ge⸗ ſättigt iſt, weit mehr zur Frömmigkeit aufgelegt iſt, als mit einem hungrigen Magen. Laſſen Sie uns alſo zuerſt etwas eſſen, damit wir nachher deſto inbrünſtiger für Ihren Erſtgebornen beten können.
Der Fremde trat ohne Umſtände in das Haus ein, und da er die
Thür zu dem Speiſeſaal geöffnet fand, ſchritt er hinein und begrüßte
Kaiſer Joſeph. 2. Abth. IV. 3


