28 IV. Der Caufpathe des Poſtmeiſters.
In dem Poſthauſe des kleinen franzöſiſchen Fleckens Vitry herrſchte heut eine ungewöhnliche Bewegung. Zwei Mägde, in ihren ſchönſten Sonntagskleidern einherſtolzirend, waren damit beſchäftigt, das große Zimmer, ſonſt beſtimmt für die Aufnahme der Paſſagiere und Reiſenden, welche auf das Wechſeln der Pferde warten mußten, in einen eleganten Speiſeſaal zu verwandeln, indem ſie die Wände mit Blumenguirlanden und Kränzen verzierten, die lange, mit dreißig Couverts bedeckte Tafel mit großen Vaſen voll Blumenbouquets ſchmückten, und den großen Anrichtetiſch in ein elegantes Buffet verwandelten, auf welches ſie ſchöne vergoldete Taſſen, große Kuchen, und Schüſſeln mit Paſteten und durch⸗ ſichtigen, glänzenden Gelées aufſtellten.— Der Herr Poſtmeiſter ſelber, ein kleiner, ſchlanker Mann mit jugendlichem, lächelndem Angeſicht, hatte ſeine Staatsuniform angelegt, und eilte in geſchäftiger Beweglichkeit von der gedeckten Tafel zum Buffet, und vom Buffet in die Küche, um zu ſehen, ob alle ſeine Anordnungen auch pünktlich befolgt würden und Jedermann ſeine Schuldigkeit gethan. Er fand in der Küche die Köchin und einige Gehülfinnen mit dem Anfertigen der warmen Speiſen und der Braten beſchäftigt, einige kleine Mädchen ſaßen in der offenen, von der Küche in den Hof führenden Thür, und verlaſen mit höchſt ernſt⸗ haften, allgewichtigen Mienen aus einem großen Korbe ungeheure Köpfe Salat, von dem ſie die zarteſten Blätter in die neben ihnen ſtehende Schüſſel warfen, die größeren Blätter dem allerliebſten, kleinen Ferkel hinwarfen, das auf dem Hof neben der Thür ſtand und als ganz ver⸗ gnügter Lazarus die Biſſen erwartete, die von des Reichen Tiſch ihm zufielen. Auf dem Hofe vor dem Brunnen ſtand der heut in einen Kellner verwandelte Hausknecht, und wuſch und ſpülte Teller und Gläſer, und an der andern Seite der Küche auf dem Hausflur war der Poſt⸗ ſchreiber eifrig damit beſchäftigt, die Batterie von Flaſchen, welche der
Poſtmeiſter vorher ſelbſt aus ſeinem Keller herauf geſchafft, zu entkorken,
und zum würdigen Genuß vorzubereiten. Der Herr Poſtmeiſter überflog alle dieſe Anſtalten mit ernſt
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