Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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ſchwanke ich hin und her, zwiſchen Hoffen und Fürchten, und kann von beiden nicht laſſen, und kann beide nicht verſöhnen. Möge meine Mutter noch lange Jahre leben zur Ehre und zum Glück Oeſterreichs, aber möge es eines Tages Joſeph dem Zweiten auch vergönnt wer⸗ den, den Thron zu beſteigen, nicht als Kaiſer von Oeſterreich bloß, ſondern als Kaiſer von Deutſchland. Dann ſoll Oeſterveich in Deutſchland aufgehen, und Deutſchland in Oeſterreich, und alle meine Lande, und alle die Provinzen meines Schleſiens, die ich mir wiedererobern will, und Alles was Mein iſt, das ſoll deutſch werden und deutſche Zunge ſoll geredet werden, ſo weit der öſterreichiſche Scepter reicht. Denn der Kaiſer des deutſchen Reiches wird nicht dulden, daß die einzelnen Provinzen ſeines Reiches ſich als Einzelſtaaten gebehrden, und ihre eigene Sprache ſprechen wollen. Was dem deutſchen Kaiſer gehört, iſt Deutſch, und bildet zuſammen Deutſchland.*) Und groß ſoll mein Deutſchland werden, groß nach außen, groß nach innen, und damit es das werde, will ich mir Freunde und Bundesgenoſſen ſuchen, will ſogar thun, was mir widerſtrebt, will um Frankreichs Freundſchaft werben, damit es dereinſt geſchehen läßt, was geſchehen muß und ſoll, und mich nicht hindert, wenn ich nehme was mein iſt, und was der Kurfürſt von Baiern mir als Erbe hinterläßt!— Sehen Sie, Freund, jetzt kennen Sie alle meine Wünſche, Pläne und Träume, es hat mir wohl gethan ſie einmal enthüllen zu dürfen vor dem Auge des treuen, ver⸗ ſchwiegenen Freundes! Jetzt können ſie ihr Haupt wieder verhüllen, und hingehen in den Kyffhäuſer, um dem Kaiſer Barbaroſſa zu ſagen, daß, wenn die Stunde gekommen iſt, der Joſeph den Berg zerſpalten will, und den deutſchen Kaiſer daraus befreien wird. Aber noch iſt die Zeit nicht gekommen. Der deutſche Kaiſer liegt noch gefangen im Kyffhäuſer und nur der Graf von Falkenſtein iſt es, der nach Frank⸗ reich geht! Kommen Sie, Freund, ich habe Deutſchland jetzt meine Abſchiedsgrüße dargebracht. Laſſen Sie uns jetzt die Brücke überſchreiten, welche Deutſchland von Frankreich trennt und es mit ihm verbindet!

*) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe: Briefe Joſeph des II. S. 175.