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Sie weiter nach Weſten hin, Freund, da liegt wieder ein Stück von meinem Schleſien, wenden Sie Ihr Antlitz hinüber nach dem hohen Dom von Straßburg, ſehen Sie dieſes grüne, üppige Land, den Elſaß. Iſt es nicht, als wenn es mich zu ſich riefe mit tauſend Stimmen der Liebe, redet das jetzt franzöſiſche Land nicht immer noch in deutſcher Mundart, und iſt deutſch geblieben in Herz und Sinn? Der Elſaß hat einſt zu Oeſterreich gehört, und ich will wieder haben, was Mein iſt! Will auch wieder haben, was hinter dem Elſaß liegt, das Herzogthum Lothringen. Mein Vater war der Herzog von Lothringen, und hat als ſolcher ſogar auf ſeinen Knieen dem König von Frankreich den Huldi⸗ gungseid als Vaſall gelobt.“*) Daß Franz der Erſte ſein Lothringen an Frankreich abgetreten, bindet ſeinen Erbnachfolger Joſeph den Zweiten nicht. Wenn die Söhne nicht nöthig haben die Schulden ihrer Väter anzuerkennen und zu bezahlen, ſo haben ſie auch eben ſo wenig nöthig, die Schenkungen anzuerkennen, ſondern können zurückfordern, was wider ihren Willen abgetreten ward. All dieſe zerſtreuten Ländereien zuſam⸗ mengenomimen, die bilden mein Schleſien, und ich will mein Schleſien haben und erobern, ſo gut wie König Friedrich ſich unſterblich gemacht hat durch ſein Schleſien!
Und dies, ſein Schleſien, wird der Kaiſer Joſeph das dem König von Preußen laſſen? fragte der Graf lächelnd.
Er wird's nicht thun, wenn er's ändern kann, rief der Kaiſer haſtig. Er wird— doch ſchweigen wir von dem, was einſt ſein wird! Oh mein Gott, meine ganze Seele dürſtet dieſem Einſt entgegen, und es iſt mir zuweilen, als wenn Deutſchland, das aus tauſend Wunden blutende Deutſchland, ſeine verweinten Augen auf mich wendete, und mir alle ſeine Wunden zeigte, und mir zuriefe:„Heile mich, Kaiſer von Deutſchland! Verſöhne meine Leiden, lege Balſam auf meine Wun⸗ den!“— Und ich kann nichts thun, ich muß mit müßig gefaltenen Händen daſtehen, und ich kann nichts beſſern und ändern! Und nicht einmal wünſchen darf ich, daß es anders werde, denn damit ich Kaiſer werde, muß Maria Thereſia ſterben, und Gott weiß es, daß ich meine Mutter liebe, und ihren Tod nicht erſehne! Sehen Sie, Freund, ſo
*) Mémoires de la Marquise de Créqui. Vol. IV.
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