12 ſam ſein? Oh, Sie ſind ein kaltes Herz! Sie ſagen, daß Sie mich lieben, und wollen mir nicht einmal die Gunſt einer Umarmung, eines erſten Kuſſes gewähren?
Nicht hier, ſagte ſie ernſt, nicht in dieſem Hauſe, in welchem der Mann wohnt, deſſen Namen ich trage. Entweihen wir die Liebe nicht, indem wir die Ehe ſchänden.
So kommen Sie, kommen Sie, Leonore, bat er dringend. Alles iſt zu unſerer Abreiſe bereit; der Wagen harrt unten an der kleinen Gartenpforte. Ich habe für Sie und für mich Päſſe nach Italien, nach Frankreich, nach Spanien und nach England beſorgt. Sie haben alſo nur zu wählen, wohin wir gehen, in welchem ſtillen, paradieſiſchen Winkel der ſchönen Gotteswelt wir uns verbergen wollen mit unſerer Liebe und unſerm Glück, bis die Gefahr vorüber iſt, und wir ſie frei vor aller Welt bekennen können.
Wir wollen nach Paris gehen, ſagte ſie, indem ſie ihr Geſicht ab⸗ wandte, als wolle ſie es den Blicken des Grafen entziehen.
Nach Paris, Theuerſte? fragte Graf Schulenburg überraſcht. Aber bedenken Sie denn nicht, ma toute belle, daß wir dort jetzt am meiſten in Gefahr ſind erkannt zu werden? Der Kaiſer begiebt ſich ja morgen nach Paris, der nimmt ein großes Gefolge mit. Wie leicht könnte Einer dieſer Cavaliere uns begegnen und erkennen!
Paris iſt groß, ſagte ſie feſt, und wir werden uns zu verbergen wiſſen. Entdeckt man uns, ſo ſtellen wir uns unter den Schutz des Kai⸗ ſers. Er kennt das Unglück meiner Ehe, und ich weiß, daß er mich bemitleidet. Er wird uns alſo ſeinen Beiſtand gewähren.
Sie mögen Recht haben, Theuerſte, rief der Graf nach kurzem Bedenken. Ihr hoher Geiſt erfaßt immer das Richtigſte und Beſte. Wir gehen alſo nach Paris. Dort wollen wir in ſüßeſter Verborgenheit den Wonnemond unſerer Liebe feiern.
Ja dort, nicht früher! ſagte ſie ernſt.
Graf Schulenburg ſah ſie überraſcht an. Was wollen Sie damit ſagen, theuerſte Leonore? fragte er. 2
Ich will damit ſagen, daß ich von Ihnen einen letzten Beweis Ihrer miebe fordere, bevor ich dieſelbe erhören kann. Ich fordere von Ihnen, daß Sie, bis wir Paris erreicht haben, mir niemals wieder


