11
tern, es bewegte ſich, und hinter demſelben ward eine Thür ſichtbar. Leonore öffnete ſie, aber wie ſie es that, ſchauderte ihre ganze Geſtalt in ſich zuſammen, und eine Todtenbläſſe bedeckte ihre Wangen.
Treten Sie ein, Herr Graf Schulenburg, ſagte ſie mit lauter, kalter Stimme.
Sofort erſchien in der Thür die hohe, ſchlanke Geſtalt eines jungen Mannes.
Darf ich die Schwelle dieſes Paradieſes überſchreiten? fragte er, ſeine glühenden Blicke auf die Gräfin gerichtet, welche kalt und ſtarr in der Mitte des Zimmers ſtand.
Sie dürfen es, ſagte ſie, aber ſie ſchritt ihm nicht entgegen, ſie hob nicht die Hand ihn zu begrüßen, ſie ſah ihn nicht an, ſondern blickte zur Erde nieder, und ein roſiger Schleier der Scham goß ſich langſam über ihr Antlitz nieder und bedeckte ihren Hals und ihre Schultern, und ſchien ſelbſt die funkelnden Brillanten mit einem Schat⸗ ten zu überhauchen.
Graf Schulenburg ſah dieſes Erröthen und lächelte triumphirend. Er hatte ſchon oft ſo Frauen vor ſich erröthen geſehen, und dieſes Erröthen war allemal das Morgenroth ſeines Glückes geweſen.
Er eilte zu ihr hin, und vor ihr niederknieend, hob er ſein Ant⸗ litz, deſſen verführeriſche Schönheit das Entzücken der Frauen und das Entſetzen der Männer Wiens war, zu ihr empor und ſah ſie mit großen, brennenden Blicken an. Leonore ließ es geſchehen, daß er ihre herabhängenden Hände nahm und ſie mit glühenden Küſſen bedeckte, daß er in flammenden Worten ihr ſeine Liebe und ſein Entzücken über die endliche Erwiderung derſelben ſchilderte und ſein ſtolzes Glück pries, daß die ſchöne Leonore, deren kalte Keuſchheit und unnahbare Tugend alle Cavaliere Wiens bisher mit Entſetzen erfüllt, ihm den köſtlichen Triumph gönne, ihr Herz endlich bezwungen zu haben.
Sie hörte ihn an mit derſelben kalten Gleichgültigkeit, mit welcher ſie vorher ihrem Gemahl zugehört hatte. Aber als Graf Schulen⸗ burg jetzt leiſe ſich von ſeinen Knieen erhob und ſie in ſeine Arme ziehen wollte, trat ſie zurück und ſtreckte ihre Hände abwehrend gegen ihn aus.
Leonore, flüſterte er ſchmerzvoll, Sie wollen alſo noch immer grau⸗ I


