von Ihrer Liebe ſprechen wollen, daß wir neben einander ſein wollen, wie ein Bruder es mit ſeiner Schweſter iſt. Ich fordere von Ihnen, daß Sie niemals mich, oder auch nur meine Hand zu berühren wagen, daß wir von allen Dingen ſprechen, nur nicht von Ihrer Liebe, und endlich fordere ich, daß Sie meine Kammerfrau in dem Wagen neben uns dulden. Sie wird mit mir im Fonds, Sie werden rückwärts ſitzen.
Nein, Leonore, Sie fordern das Uebermenſchliche, das Unmögliche von mir, rief der Graf heftig. Ich ſoll neben Ihnen ſein, ohne Ihnen meine Liebe, mein Entzücken zu ſagen, ich ſoll meine glühende Leiden⸗ ſchaft herabdämpfen zu der kalten Neigung eines Bruders, ich ſoll end⸗ lich es dulden, daß die kalten, lauernden Augen einer Dienerin immer da ſind, die meinen zu bewachen, und ich ſoll nicht einmal das Glück haben neben Ihnen zu ſitzen, Ihre himmliſche Geſtalt, den warmen Hauch Ihres Mundes an meiner Seite zu fühlen. Ach, Leonore, Sie wollen meine Liebe nur prüfen, ob ſie der größten Opfer fähig iſt, aber dies iſt nicht Ihr Ernſt, kann nicht Ihr Ernſt ſein!
Es iſt mein Ernſt, Graf!
Aber bedenken Sie nur, was Alles ich nicht ſchon gethan, um Ihnen meine Liebe zu beweiſen, ſchöne, grauſame Leonore! Seit einem Jahre liebe ich Sie, folge ich Ihnen auf allen Wegen, habe ich keinen Gedanken, keine Hoffnung, keine Sehnſucht, als nur Sie! Sie ſchienen mich gar nicht zu beachten, ich war für Sie nichts als ein Atom, das unbemerkt in dem Strahl Ihrer Sonne ſpielte. Sie hörten nicht meine Seufzer, meine glühenden Liebesworte, Sie ſahen nicht, was ganz Wien ſah, daß ich mich verzehrte in ſchmerzlicher Liebe zu Ihnen. Sie ſchickten alle meine Briefe uneröffnet zurück, und Sie ſchauten in mein bleiches Antlitz mit einem Lächeln, welches für mein Herz ein Todesurtheil war. Ich war in Verzweiflung, in Raſerei, zum erſten Mal widerſtand mir ein Weib, und dieſes Weib war das Erſte, wel⸗ ches ich wahrhaft liebte. Ich wäre geſtorben, freiwillig geſtorben, wenn nicht eines Tages ein Strahl von Mitleid Ihr kaltes Herz erwärmt hätte, Sie ſandten mir meinen Brief nicht zurück, Sie nahmen ihn an, Sie duldeten es, daß ich Abends in der Hofgeſellſchaft hinter Ihrem Stuhle ſtand und in Ihr Ohr die glühenden Bekenntniſſe meiner Liebe flüſterte, und als ich Sie zu Ihrem Wagen geleitete, ſchien es mir,


