Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 4. Band (1857)
Entstehung
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ſelbſt fähig ſei. Er näherte ſich ihr haſtig, und ſtreckte ihr mit einem ſanften Lächeln ſeine beiden Hände hin.

Leonore, ſagte er freundlich, es iſt heute unſer Hochzeitstag! Ver⸗ geſſen wir, daß vier Jahre ſeitdem vergangen ſind, denken wir, daß es heute der Tag unſerer Vermählung iſt. Löſchen wir dieſe vier Jahre aus unſerm Gedächtniß aus, und fangen wir in dieſer Stunde ein neues Leben an; wir haben eine ſchwere Prüfungszeit durchgemacht, möge ſie jetzt beendet ſein! Reichen Sie mir Ihre Hand, vergeſſen wir Alles, was geſchehen, und beginnen wir ein Leben der Eintracht, der Liebe und des Glücks!

Sie ſchauderte in ſich zuſammen vor der Berührung ſeiner Hände, und trat ſtolz einen Schritt zurück. Ich kann Ihnen niemals die Hand reichen, ſagte ſie, denn ich kann niemals vergeſſen, was geſchehen iſt, ich kann Ihnen niemals verzeihen, wie ſchmachvoll Sie an mir geſün⸗ digt haben! Aber ich will vergeben, wenn Sie jetzt thun, um was ich Sie bitten will!

Sie wollen mich um etwas bitten? fragte Eſterhazy freudig. Oh, ſprechen Sie, Leonore, was iſt es? Was kann ich thun, um Ihnen ge⸗ fällig zu ſein?

Sie können mich frei geben, ſagte ſie mit ſanfter, faſt flehender

Stimme. Sie können die Ketten löſen, welche uns Beide an einander

feſſeln! Kommen Sie mit mir zur Kaiſerin, werfen Sie Sich ihr mit mir zu Füßen, ſchildern Sie ihr mit mir den Jammer dieſer vier Jahre, welche wir auf der Galeere unſerer Ehe zugebracht haben, be⸗ ſchwören wir ſie endlich Mitleid zu haben mit zwei armen Menſchen, welche ſie unglücklich gemacht hat, und durch ein kaiſerliches Macht⸗ wort zu trennen, was ſie durch ein kaiſerliches Machtwort verbun⸗ den hat!

Die Kaiſerin wird das niemals thun, rief der Graf lebhaft, denn ſie wird meinen Worten keinen Glauben ſchenken. Sie weiß, daß ich glücklich und zufrieden bin durch Sie, ich habe ihr das zu oft verſichert, als daß ſie das Gegentheil jetzt glauben ſollte.

Dann laſſen Sie uns an die höchſte Inſtanz gehen! ſagte ſie flehend. Eilen wir nach Rom, werfen wir uns dem Papſt zu Füßen, flehen wir zu ihm, im Namen der Heiligkeit der Ehe, welche durch