Vier Jahre, ſagte er leiſe.
Ja, vier Jahre, wiederholte ſie mit einem heftigen Ausdruck. Gerade heute vor vier Jahren um dieſelbe Zeit, an demſelben Tage ſtanden wir hier auf derſelben Stelle einander gegenüber.
Ah vraiment, es iſt wahr, es iſt heute unſer Hochzeitstag, rief der Graf überraſcht. Verzeihen Sie, daß ich das vergeſſen konnte!
Wohl Ihnen, daß Sie es vergeſſen konnten! Ich habe jenen Tag und jene Stunde nie vergeſſen, ſie ſteht ewig vor mir in ihrer gräßlichen Bedeutung. Wiſſen Sie noch, Herr Graf, was ich Ihnen heute vor vier Jahren in jener Mitternachtsſtunde auf derſelben Stelle hier geſchworen habe? Oder haben Sie auch das vergeſſen?
Ja, ich habe auch das vergeſſen, Leonore, ich wollte nicht der har⸗ ten und grauſamen Worte gedenken, welche Sie damals ſprachen in der Empörung eines nur zu gerechten Schmerzes.
Ich ſchwur Ihnen, mich an Ihnen zu rächen für den unerhörten Frevel, den Sie gegen mich verübt. Sie hatten eine Seele betrogen, welche ſich vor Ihnen bis zum Flehen gedemüthigt hatte, und dieſe Seele bäumte ſich dann vor Ihnen auf im Zorn, und ſchwur Sie zu ſtrafen und ihr Unglück zu rächen! Habe ich nicht Wort gehalten, Herr Graf Eſterhazy? Habe ich Sie nicht gemartert und gequält, habe ich Sie nicht durchkreuzt in allen Ihren Neigungen und Wünſchen, habe ich dieſem Hauſe nicht den Frieden und das Glück entführt, habe ich durch meine Verſchwendung nicht Ihre Vermögensverhältniſſe ruinirt, und Sie und mich zu einer lächerlichen Fabel für ganz Wien gemacht?
Sie ſind vielleicht ein wenig zu hart in Ihrem Urtheil über Sich Selber, ſagte Graf Eſterhazy ſanft. Es iſt wahr, wir ſind wohl Beide nicht glücklich geweſen; daß wir's nicht waren, beweiſt ſchon, daß es eben ſeit den vier Jahren unſerer Ehe heute das Erſtemal iſt, wo wir ohne Zeugen zu einander ſprechen, und damit allerdings haben Sie meine liebſten und ſchönſten Neigungen und Wünſche durchkreuzt. Ich will auch nicht leugnen, daß die vielen Feſte, Concerte und Bälle und die ganze Führung unſers Hauſes einige Millionen gekoſtet und ein Deficit in meine Rechnungen gebracht hat, aber es wäre ungerecht Sie deshalb der Verſchwendung zu zeihen. Die ſchöne, feenhafte Gräfin Leonore konnte nicht Feſte geben, wie andere gewöhnliche Sterbliche,


