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die Gemahlin ſeines Bruders, ſeine Königin ſo beſchimpfen darf. Ich will ihm ſagen, daß er gehandelt hat als ein Verräther und ein Rebell—
Und wenn Sie ihm das geſagt haben, Sire, werden Sie ihn alsdann auch ſtrafen wie einen Verräther und Rebellen? fragte die Kö⸗ nigin mit lauter Stimme.
Der König ſchwieg, und ſenkte vor den flammenden Blicken der Königin die Augen langſam zu Boden. Marie Antoinette lächelte traurig.
Sie werden ihn nicht beſtrafen, Sire, ſagte ſie, denn der Rebell, der ſeine Königin beſchimpft hat, iſt inzwiſchen doch der Bruder des Königs, und das macht ihn ſtraflos.
Nein, es macht ihn nicht ſtraflos, rief Ludwig heftig. Ich werde ihm ſein ganzes Unrecht vorhalten, ich werde ihm bei meinem königlichen Zorn befehlen, Sie hochzuachten, zu verehren und zu lieben.
Ah, Sire, die Liebe läßt ſich nicht befehlen, ſagte Marie Antoinette traurig. Und wäre ich rein und ſchön und unſchuldig wie die Engel des Himmels, der Graf von Provence würde mich dennoch haſſen, denn ich bin eine öſterreichiſche Prinzeſſin, er verzeiht mir das niemals. Und wenn er es ſelbſt wollte, ſo wird Madame Adelaide es niemals erlauben, Madame Adelaide, welche mir ſelbſt die kleine Stelle miß⸗ gönnt, die ich vielleicht im Lauf dieſer Jahre mir im Herzen Eurer Majeſtät erobert habe.
Ah, Antoinette, Sie wiſſen es wohl, daß Ihnen mein ganzes Herz gehört, rief der König mit ungewohnter Innigkeit. Glauben Sie nur, daß alle dieſe Verleumdungen und Anfeindungen niemals Gewalt über mich gewinnen ſollen, und daß es niemals irgend Einem gelingen ſoll, Ihr reines und ſchönes Bild in meinen Augen und in meinem Herzen zu umdüſtern. Fürchten Sie daher nichts, ich werde Sie ſchützen, und Ihnen Selber wird es gelingen, durch Ihre Anmuth, Unſchuld und Tu⸗ gend Ihre Feinde zu bezwingen!
Nein, es wird mir niemals gelingen, rief die Königin heftig. Sie haſſen mich zu glühend, und ſelbſt meine Tugend wird in ihren Augen ein Verbrechen ſein, denn ſie wird ihnen die Mittel erſchweren, mir zu ſchaden. Aber dennoch fürchte ich meine Feinde nicht, Sire, den⸗ noch will ich den Kampf mit ihnen wagen, und ich kann es, denn mein gutes Bewußtſein und mein gutes Recht ſtehen mir zur Seite.


