Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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ſern Handlungen ein wenig mehr auf die boshaſten Seelen, welche ſtets das Böſe argwöhnen, und eine Luſt an der Verleumdung haben, Rück⸗ ſicht nehmen ſollten, als auf die guten und harmloſen Seelen zu zäh⸗ len, welche noch an die Unſchuld glauben, und die Unvorſichtigkeit entſchuldigen.

Die Königin lachte ſpöttiſch und nahm von dem Tiſch ein zweites Papier, das ſie dem König darreichte. Glauben Ew. Majeſtät, daß dies auch bei dieſen Zeichnungen ſeine Abſicht geweſen?

Der König heftete ſeine Blicke auf das Papier, welches in leichten flüchtigen Zügen einige Zeichnungen enthielt.

Woher kommt dies Papier, und was bedeutet es? fragte er haſtig.

Sire, es ſind, wie Sie ſehen, einige Carricaturen der lächerlichſten und zugleich der unanſtändigſten Art. Jede Skizze hat eine Unterſchrift voll ſanglanten Witzes und boshafter Verleumdung. Bei dieſen Unterſchrif⸗ dten hat man es nicht für nöthig gefunden, die Handſchrift zu entſtellen, denn man ahnte nicht, daß dies Papier in meine Hände kommen würde. Nicht wahr, diesmal werden Sie nicht ſagen können, daß man ſich täuſchen kann? Diesmal müſſen Sie zugeſtehen, daß dies die Hand⸗ ſchrift des Grafen von Provence, meines Herrn Schwagers iſt?

Es iſt leider wahr, ich kann das nicht beſtreiten, ſeufzte der König. Aber woher haben Sie nur dies unſelige Papier bekommen?

Die Königin lächelte ſchmerzvoll. Sagte ich Ihnen nicht ſchon vorher, Sire, daß wir immer gute Freunde haben, welche bereit ſind, uns eine Wunde beizubringen. Man hat mir auch dies Papier anonym zugeſandt, und mir dabei geſchrieben, daß der Graf von Provence dieſe Carricaturen geſtern im Abendeirkel ſeiner Tante, Madame Adelaide, entworfen hat, und daß die Unterſchriften von ihm in Gemeinſchaft mit den Prinzeſſinnen⸗Tanten entworfen worden ſind.

Der König trocknete ſich mit ſeinem Taſchentuch haſtig den Schweiß von der Stirn, der in großen Tropfen darauf lag, und ſtand heftig auf, das Papier noch immer in der Hand haltend.

Wo wollen Ew. Majeſtät hingehen? fragte die Königin erſchrocken, dem König nacheilend, welcher ſich ſchon der Thür näherte..

Ich will zu meinem Bruder gehen, ſagte der König heftig. Ich will ihm dies Papier zeigen, und ihn fragen, mit welchem Recht er