Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Königin, oder mit dem König und deſſen Vertrauten ſich über die ernſten politiſchen Fragen des Tages zu beſprechen, mit ihm im nahen Billard⸗ ſaal Billard zu ſpielen, oder die neuen Erſcheinungen der Literatur, welche in demſelben Saal auf einem großen Tiſch aufgehäuft waren, zu beſchauen.

Heute indeſſen bildete die Geſellſchaft des Gartenſalons nur einen Cercle, und dieſer hatte ſich um die Königin gebildet, welche in dem hellen Glanz ihrer Schönheit Jedermann zu feſſeln und unwiderſtehlich an ſich zu ziehen ſchien.

Marie Antoinette ſtand in der Mitte des Saals, und ſchaute mit ſtrahlenden Blicken durch die geöffneten Thüren, welche auf die Terraſſe führten, hinaus in den Garten, deſſen Blumen den Saal mit den herr⸗ lichſten Wohlgerüchen erfüllten, und der unter dem rothgoldenen Schein der untergehenden Sonne wie in einer Verklärung in ſüßem Schwei⸗ gen dalag. Neben ihr ſtand der König, ſein ſanftes, gutmüthiges Geſicht von einem milden Lächeln erhellt, ſeine freundlichen, guten Angen mit einem Ausdruck innigſter Liebe auf ſeine junge Gemahlin geheftet. An der andern Seite der Königin befanden ſich die jungen Gemahlinnen der beiden königlichen Prinzen und die jungen Schweſtern des Königs und hinter dieſen ſah man eine Reihe der jüngſten, lieb⸗ reizendſten und ſchönſten Damen der hohen Ariſtocratie, umringt und umflattert von einer Anzahl junger Cavaliere, durch Liebenswürdigkeit, Rang und Esprit ſich der Gunſt würdig machend, welche das Königs⸗ paar ihnen ſchenkte. An ihrer Spitze aber ſah man die Prinzen des königlichen Hauſes, den geiſtreichen Grafen von Provence, den ſtets liebenswürdigen und heitern Grafen von Artois mit ihrem Vetter, dem Herzog von Chartres,*) und endlich den Herzog von Lauzun, welche letztere Beide ſeit einiger Zeit zu den begeiſtertſten Bewunderern der Königin gehörten. Es war ein merkwürdiger und ſeltener Anblick, den der franzöſiſche Königshof in dieſer Zeit darbot. Nur die Jugend und Schönheit ſchien jetzt an dieſem Hofe zu thronen, das Alter mit ſei⸗ nem Ernſt, ſeinen Runzeln und ſeiner Schwerfälligkeit ſchien ganz und

*) Dem nachherigen Herzog von Orleans, in der Revolution bekannt unter dem

Namen: Philippe Egalité.