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ihres Hofes hatten immer nur den Einen Zweck, das Herz des Königs zu wecken, und durch die Eiferſucht die Liebe in ihm wach zu rufen.
Eines Tages, ſagte ſie mit frohem Muth zu ſich ſelber, eines Tages wird er doch dahin kommen, mich von Herzen zu lieben, und mir ein wenig Gewalt über ſein ſtörriſches, kaltes Herz einzuräumen. Ich warte auf dieſen Tag, wie die Natur während der Nacht auf den Aufgang der Sonne harrt. Oh mein Gott, wie himmliſch ſchön wird es ſein, wenn endlich der Morgen meines Glückes erwacht, und die Sonne wirklich aufgeht!—
Aber, unterbrach ſie ſich ſelbſt in ihrer Extaſe mit einem frohen Lachen, aber ich rede da, wie der Blinde von der Farbe. Ich preiſe den Sonnenaufgang und bin eine ſolche Barbarin, daß ich noch nie⸗ mals einen Sonnenaufgang geſehen habe! Das muß wieder gut ge⸗ macht werden! Man hat mich ſelbſt in letzter Zeit ſo oft die aufge⸗ hende Sonne Frankreichs genannt, daß ich doch in der That einmal das Original ſehen muß, von dem ich die Copie ſein ſoll!
Und die Königin, ganz begeiſtert von dieſer neuen Idee, ließ die Gräfin Noailles rufen.
Madame, ſagte ſie ernſt, ich bitte Sie, mir zu ſagen, um welche Stunde die Sonne jetzt aufgeht?
Die Oberhofmeiſterin blickte überraſcht in das ſchöne Antlitz der Königin, deren ſchalkhaft blitzende Augen ſeltſam contraſtirten zu ihren ernſten Mienen.
Wann die Sonne aufgeht? wiederholte Frau von Noailles ver⸗ wundert.
Ja, das möchte ich wiſſen, ſagte die Königin, und ich hoffe, daß in meiner Frage nichts iſt, was gegen die ſtrengſte Form der Etiquette verſtößt. Es iſt mir in der That ſehr wichtig zu wiſſen, wann die Sonne aufgeht!
Dann bedaure ich, Eurer Majeſtät keine genügende Antwort ge⸗ ben zu können, denn ich geſtehe, daß ich mich noch niemals um dieſe Dinge bekümmert habe. Aber wenn Ew. Majeſtät gnädigſt geſtatten, will ich mich ſogleich erkundigen, und Ew. Majeſtät die nöthige Aus⸗ kunft bringen.
Ich bitte Sie darum, rief Marie Antoinette lächelnd.


