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Moden hervor, und machte die Toilette zu einer wichtigen Angelegen⸗ heit. Alle Frauen des Hofes nicht allein, ſondern auch diejenigen, welche dem Hofe fern ſtanden, wollten das nachahmen, was die Königin that. Jede Dame wollte denſelben Platz, dieſelben Federn, dieſelben Guir⸗ landen tragen, wie die Königin. Der Preis der Straußfedern nahm in wenigen Wochen einen ungeheuren Aufſchwung, und bald konnte man ſich dieſelben nur noch vom Auslande mit den größten Koſten und Schwierigkeiten verſchaffen, denn dieſe neue Mode der Straußfedern bemächtigte ſich der ſchönen Welt wie eine Krankheit, von der Jede befallen ward, und welcher Niemand ausweichen wollte. Wer nur ir⸗ gend auf guten Ton, auf Eleganz Anſprüche machen wollte, mußte Straußfedern tragen, mußte von der Modiſtin der Königin ſeinen Putz erhalten, mußte von Herrn Léonard friſirt werden.
Die Ausgaben der jungen Schönen vermehrten ſich außerordent⸗ lich; die Mütter und die Ehemänner ſeufzten, und begannen über dieſe junge Königin zu murren, welche ihren Töchtern, ihren Gattinnen das Beiſpiel eines täglich wechſelnden Luxus, einer launenhaften und koſt⸗ ſpieligen Putzſucht gab. Aber die Damen waren einmal mitten im Fieber ihrer Krankheit, und wenn die Mütter oder die Ehemänner ihnen das Geld verſagten, um dieſe koſtbaren Federn und Putzſachen zu kau⸗ fen, ſo machten die Damen lieber Schulden, als daß ſie dem ſtolzen Glück entſagt hätten, die Moden der Königin nachzuahmen.
Traurige und ärgerliche Familienſcenen waren die Folge davon, die Eltern entzweiten ſich mit ihren Töchtern, mehr als eine glückliche Ehe ward untergraben, und die Väter und die Mütter klagten laut, daß die Königin alle Damen Frankreichs in's Verderben ſtürzen würde!*)
IX. Zer Sonnenaufgang.
Der königliche Hof hatte ſich nach Marly begeben, und feierte dort die erſten Wochen ſeines jungen Glanzes. Jeder Tag brachte
*) Madame Campan. Mémoires etc. Vol. I. p. 96.


