Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Jahrhunderte geheiligt haben, abzuſtellen. Das Volk hängt an ihnen, und ſie verlachen und verſpotten, heißt das Königthum ſelber antaſten. Seit Franz des Erſten Zeiten ſpeiſet die königliche Familie von Frank⸗ reich immer nur öffentlich, und jede anſtändig gekleidete Perſon hat das unbeſtrittene Recht in den Speiſeſaal einzutreten, und die königliche Familie diniren zu ſehen. Es iſt alſo ein Recht, welches Ew. Ma⸗ jeſtät dem franzöſiſchen Volk entziehen wollen, und die Franzoſen ſind ſehr eiferſüchtig auf ihre Rechte. Außerdem aber wage ich, Ew. Ma⸗ jeſtät zu bemerken, daß das öffentliche Diniren ein ausdrückliches Cere⸗ moniell des franzöſiſchen Hofes iſt, und daß die Etiquette es als ganz unerläßlich für die königliche Würde bezeichnet.

Die Etiquette, Madame, iſt indeſſen nicht für die Könige, ſondern von den Königen gemacht, ſagte die Königin ſtolz, und die Könige haben daher wohl das Recht dieſelbe abzuändern. Da Sie vorher von den unantaſtbaren Rechten des Volkes ſprachen, ſo iſt es mir wohl geſtattet, die unantaſtbaren Rechte des Königthums denſelben gegenüber zu ſtellen. Es iſt aber ein unantaſtbares Recht der Könige, Geſetze zu geben, nicht ſie zu empfangen. Demgemäß, Madame, gebe ich Ihnen den Rath: durchſtreichen Sie in Ihrem Codex der Etiquette das ver⸗ altete Geſetz, welches die Könige zu den Diners publiques verurtheilt, und ſchreiben Sie ſtatt deſſen dieſes neue Geſetz hin:„Die königliche Familie dinirt ohne alles Ceremoniell und bei geſchloſſenen Thüren, und nur an großen Galatagen und bei beſondern Feſtlichkeiten iſt es dem Publikum erlaubt, dem Diner der königlichen Familie beizuwoh⸗ nen.“ Noch Eins habe ich vergeſſen! Da wir von heute an ohne alles Ceremoniell ſpeiſen, ſo iſt es auch unnöthig, daß die Ehrenfräu⸗ lein zur Bedienung bei dem Diner erſcheinen. Die Ehrendame und die vier Kammerfrauen genügen für den gewöhnlichen Dienſt bei Tafel. Und jetzt, meine Schweſter, laſſen Sie uns einen Spaziergang in den Park machen!

Die Königin reichte der Prinzeſſin den Arm, und ging mit ihr hinaus auf die Terraſſe, gefolgt von den Damen ihres Hofes.

Nur Frau von Noallles blieb zurück in dem großen, ſtill gewor⸗ denen Empfangsſaal. Wie zerbrochen ſtützte ſie ſich auf die hohe Lehne