145
wägerin mit welchem die Etiquette uns ganz und gar ablöſen will von der
z war. übrigen Menſchheit. Ich glaube, daß, um ſich populair zu machen,
Ueber⸗ die Fürſten nur nöthig haben, ſich ihren Völkern als Menſchen darzu⸗
inn mit ſtellen, mit einem warmen, fühlenden Herzen, und einem einfachen,
prunkloſen Sinn, und auf dieſe Weiſe, meine Schweſter, wünſchte ich
te einen mich bei dem Volk populair zu machen. Ich will nicht als Götzenbild gen wir bewundert, ſondern als Frau und als Königin geliebt werden! Dinem Nun, ſagte die Prinzeſſin mit einem erzwungenen Lächeln, und 1 innerlichſt geärgert über das ſchöne, energiſche Weſen der Königin, die⸗ Majeſtät ſes Wollen wird Eurer Majeſtät erfüllt werden, denn das Volk liebt n Diner Sie und bhetet Sie an, und wenn die guten Pariſer Sie eben ſehen ümmert könnten mit dieſen leuchtenden Augen, dieſen purpurrothen Wangen, r Jhrer und dieſem wundervollen pikanten Haarputz, ſo würde der Maire von herbei⸗ Paris wieder ſagen müſſen:„Ew. Majeſtät ſehen da vor ſich hundert⸗
tauſend Liebhaber Ihrer Perſon!“ Die Königin lachte. Das iſt allerdings eine ganz reſpectable Armee,
Simme,
1— ſagte ſie, nur wünſchte ich, daß der König, mein Gemahl, immer als
d durch Feldherr an ihrer Spitze ſtehen möchte! Ach ich freue mich heute,
uingen, das Erſtaunen des Königs über unſer Diner en famille zu ſehen!
auliche Se. Majeſtät weiß alſo nichts davon? 1
zffent⸗ Es iſt eine Ueberraſchung, welche ich meinem Gemahl bereiten
ih ge⸗ will, und welche, wie ich weiß, ihn freuen wird. Er ſelber hegte wohl
iät ge den Wunſch, dieſes läſtige Diniren en publie abzuſchaffen, aber er
nie en fürchtet das Aufſehen. Nun, ich bin weniger ängſtlich, wie Sie wiſſen,
ölium und davon ſollen Sie ſogleich einen Beweis haben! 1b Die Königin wandte mit einer halben Kopfbewegung ſich nach.
t viel der Oberhofmeiſterin hin.
4 lnd Fran Gräfin von Noaillles, ſagte ſie laut, ich bitte Sie dafür
n Sorge zu tragen, daß die Huiſſiers heute während des Diners Nie⸗
perden mand in den Speiſeſaal eintreten laſſen. Dieſer Gebrauch ſoll von
heute an beſeitigt werden!
a d Die Gräfin hatte nur auf die Anrede der Königin geharrt, um
jir ſich ihr zu nähern. Majeſtät, ſagte ſie leiſe und mit dem Ausdruck
uch
tiefſter Sorge, Majeſtät, ich beſchwöre Sie, nehmen Sie Ihr Wort zurück! Es iſt gefährlich, ſo willkürlich dieſe alten Gebräuche, welche Kaiſer Joſeph. 2. Abth. III. 10
nilienle⸗


