Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

144

muth ſchaute die Gräfin von Provence auf ihre königliche Schwägerin hin, deren Schönheit heute wirklich von überraſchender Wirkung war.

Die Königin weidete ſich einen Moment an der allgemeinen Ueber⸗ raſchung, die ihr Erſcheinen hervorgebracht, und näherte ſich dann mit ihrem ſüßeſten Lächeln der Gräfin von Provence.

Meine Schweſter, ſagte ſie, erlauben Sie mir, Ihnen heute einen Vorſchlag zu machen. Speiſen wir heute gemeinſchaftlich, vereinigen wir uns zu einem heitern und ungenirten Mahl, zu einem rechten Diner en famille!

Gewiß werden wir mit Freuden den Befehlen Curer Majeſtät folgen, rief die Prinzeſſin lachend, nur daß das, was Sie ein Diner en famille nennen, meine Schweſter, uns allen gar ſehr verkümmert wird durch die Neugierde der guten und enragirten Bewunderer Ihrer Majeſtät, die aus Paris, aus Verſailles und aus der Ferne herbei⸗ ſtrömen, um das Königspaar ſein Mittagsmahl eſſen zu ſehen.

Nicht wahr, ſagte die Königin lebhaft und mit erhöhter Stimme, Sie erkennen es auch für eine ganz unerträgliche Tyrannei, dieſes öffentliche Diniren, bei welchem jeder Biſſen Einem vergällt wird durch das ſtarre Angaffen dieſer Menſchen, welche unſere Tafel umringen, und uns jede freie Bewegung, jedes harmloſe Wort, jede vertrauliche Unterhaltung unmöglich machen? Ich habe dieſe Tyrannei des öffent⸗ lichen Dinirens vier Jahre lang als Dauphine ertragen, und ich ge⸗ ſtehe, daß ich herzlich ſatt davon bin, und daß die Königin nicht ge⸗ duldig ſein wird, wie die Dauphine. Wir wollen daher heute en famille ſpeiſen, meine Schweſter, und das Speiſen vor dem Publikum ſoll mit dem heutigen Tage für immer aufhören.

Ah, das iſt eine allerliebſte Neuerung, der wir in der That viel ſchöne Stunden werden zu verdanken haben, rief die Prinzeſſin lächelnd. Nur bedaure ich die guten Leute, welche heute hierher kommen werden, um Ew. Majeſtät ſpeiſen zu ſehen!

Die Königin zuckte leicht die Achſeln. Sie werden wieder nach Hauſe gehen, ſagte ſie, und bei ruhigem Ueberlegen werden ſie finden, daß es viel menſchlich natürlicher und würdiger iſt, wenn auch die Könige ſich wie Menſchen benehmen, und das Glück des Familienle⸗ bens und des Hauſes höher ſchätzen, als dieſen kalten Götzendienſt,

mit

übri die

ſtell prm vich bew

inne ſes Sie kön und Pa

tau