Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Ihre Wangen glühten, aber nicht mehr vor Scham, ſondern vor Un⸗ geduld und Aerger, zwiſchen ihren Lippen hervor murmelte ſie leiſe Worte des Mißmuths und Zorns, während ein Fröſteln ihre ganze Ge⸗ ſtalt durchſchauerte.

Madame ſah es, und beeilte ſich ihrer königlichen Schwägerin zu Hülfe zu kommen. Ohne ihre Handſchuhe abzulegen, nahm ſie das Hemd und ſchritt raſch zu der Königin hin, aber indem ſie eilig das Hemd über Marie Antoinettens Haupt warf, blieb es an ihrem hohen Toupé ſitzen, und derangirte die Coiffure der Königin.*)

Ah, rief die Königin mit einem gezwungenen Lachen, Sie haben mir mein Haar ruinirt, meine Schweſter! Ich werde es zum zweiten Mal arrangiren laſſen müſſen.

Frau von Noailles zog ihre Augenbrauen hoch empor, wie ſie es zu thun pflegte, wenn irgend ein Verſtoß gegen die Etiqnette ſie be⸗ unruhigte, und winkte der zweiten Kammerfrau, damit dieſe die Füße der Königin neu bekleide.—

Die Toilette der Königin nahm nun ihren ungeſtörten Fortgang, und ward nach allen Regeln des Ceremoniels vollendet. Die Königin mußte jetzt ihr Toilettenzimmer verlaſſen, um mit ihren Damen in das große Empfangszimmer zu gehen. Frau von Noailles hatte ſchon die Thür zu demſelben geöffnet, und ſich mit der Ehrendame neben derſelben aufgeſtellt. Aber Marie Antoinette ließ ſich mit einem glücklichen cheln auf dem Fauteuil vor der großen Pſyche nieder, und ſich dann an die Oberhofmeiſterin wendend, fragte ſie mit ſcharfem Ton: Ich hoffe, daß die Etiquette nicht befiehlt, daß die Königin von Frankreich mit derangirter Friſur vor ihrem Hofe erſcheine. Mein Haar wird alſo noch einmal geordnet werden müſſen.

Frau von Noallles ſchloß die Thür wieder, und winkte der erſten Kammerfrau, das Werk zu beginnen.

Nicht doch, ſagte die Königin lächelnd. Ich will meine gute Cam⸗ pan nicht bemühen. Haben Sie meine Befehle ausgeführt, oder viel⸗ mehr iſt Ihr Mann, mein guter Geheimſekretair, nach Paris geweſen, die bewußte Perſon zu holen!

*) Madame de Campan: Mémoires etc. Vol. I p. 98.

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