Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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kreuzte ihre Arme über ihrem ſchönen Buſen, und neigte ihr Haupt ſanft vorwärts, bereit, das Hemd zu empfangen, welches Frau von Noailles eben aus den Händen der erſten Kammerfrau genom⸗ men hatte..

In dieſem Moment vernahm man ein leichtes Kratzen an der Thür, und die Herzogin von Orleans trat ein. Ein glückliches Lächeln glitt über das ſtrenge Antlitz der Oberhofmeiſterin, denn die Ceremonie mußte ſich jetzt verlängern, und der Herzogin ſtand das Recht zu, der Königin das Hemd zu reichen. Aber es wäre ein ſtrenger Verſtoß gegen die Etiquette geweſen, wenn die Oberhofmeiſterin ſich ſo tief hätte demüthigen müſſen, um der Herzogin unmittelbar das Hemd dar⸗ zureichen. Der erſten Kammerfrau allein lag die Pflicht ob, das könig⸗ liche Hemde der Dame zu geben, welche es der Königin darreichen ſollte. Frau von Noailles winkte demgemäß die erſte Kammerfrau zu ſich, welche das Hemd von ihr empfing und es der Herzogin darreichte, die noch immer damit beſchäftigt war, ihre Handſchuhe auszuziehen, um das unerwartete Glück genießen und den Ehrendienſt leiſten zu können.

Und während dieſer ganzen Zeit ſtand Marie Antoinette mit ge⸗ kreuzten Armen, geſenkten Hauptes da, in der Kühle dieſes großen ſchattigen Zimmers in ſich erſchauernd vor Froſt und in ihrer nackten, unverhüllten Schönheit lieblich und reizend anzuſchauen, wie eine jener

„Nymphen, welche uns der Meißel des Phidias oder Praxiteles verewigt hat.

Endlich waren die Vorbereitungen beendigt, und die Herzogin von Orleans näherte ſich mit dem Hemd der Königin.

Aber plötzlich ſtand ſie ſtill. Sie hatte da außen vor der Thür die Stimme von Madame, der Gräfin von Provence gehört, und es wäre ein unverzeihlicher Fehler geweſen, wenn ſie der erſten königlichen Prinzeſſin das Vorrecht hätte entziehen wollen, der Königin das Hemd anzuziehen.

Die Herzogin hatte ſich nicht getäuſcht. Die Thür öffnete ſich, und Madame, die Schwägerin der Königin, trat ein. Sofort trat die Herzogin von Orleans zurück. Die Oberhofmeiſterin näherte ſich ihr, um von ihr das Hemd zu empfangen, und übergab es dann zum zweiten Mal der Kammerfrau, damit dieſe es der Prinzeſſin darreichte.

Und die Königin ſtand noch immer halb entkleidet da und wartete.

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