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Und jetzt, ſagte Marie Antoinette mit einem heitern Lachen, als ſie ihr Kabinet verließ, jetzt ſoll Madame Etiquette einen neuen Grund zum Entſetzen haben! Ich bin ihr wirklich einige Revanche ſchuldig.
Die Königin begab ſich in ihr Ankleidezimmrr, in welchem die Oberhofmeiſterin, die beiden Ehrendamen, die erſte und zweite Kammer⸗ frau nebſt den zwei Unterbeamtinnen ſeit einer Stunde des Erſcheinens Ihrer Majeſtät harrten, um die zweite Toilette der Königin zu Stande zu bringen.
VII. Die Etiquette und der Friſeur.
Dieſe Toilettenſtunde der Königin war für die Oberhofmeiſterin jeden Tag ein neuer Triumph, denn es war eine ſtets ſich erneuernde Verherr⸗ lichung der Etiquette, deren Gewicht der Königin niemals fühlbarer gemacht ward, als in dieſen Stunden. Ein eigener Codex, an welchem ſogar Männer wie Richelieu, La Rochefoucauld und Dores gearbeitet hatten, beſtimmte überhaupt dieſe ſervilen Geſetze, welche jeden Schritt, jede Bewegung des Königs und der Königin wie mit einer klirrenden Kette begleiteten, und ſie zu Sclaven machten, denen es nicht geſtattet war, zu athmen, zu ſprechen, krank oder geſund zu ſein, ohne ſich da⸗ bei dieſen Geſetzen fügen zu müſſen, welche ſie ſtets mit einem Schwarm von Höflingen, Spionen und Neugierigen umgaben, und ihnen niemals eine Stunde des Alleinſeins und der Einſamkeit verſtatteten.
Die Ankleideſtunde der Königin war vor allen Dingen ein Mel⸗
Königin. Mademoiſelle Bertin war ſich aber auch ſehr wohl ihrer hohen Wich⸗ tigkeit bewußt, und behandelte Jedermann mit dem größten und lächerlichſten Stolz. Einſt kam eine vornehme Dame des Hofes zu ihr, und verlangte einige Gegenſtände zu kaufen. Man zeigte ihr Mehreres, welches der Dame nicht gefiel. Mademoiſelle Bertin rief mit einem ärgerlichen und ſuffiſanten Ton: Nun, ſo zeigen Sie den Damen einige Proben von meiner letzten Ar⸗ beit mit der Königin.(Campan Mémoires I. p. 100.)


