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geſungen hatten, dieſelben Volksſänger des Pont-neuf ſangen heute das erſte Spottlied auf die Königin, und das Volk, welches geſtern gejubelt hatte vor Liebe und Entzücken, das Volk lauſchte heute mit ſtaunender Neugierde und ſchadenfroher Luſt auf das boshafte Lied von derreine mocqueuse“, deſſen Refrain alſo lautete:
Petite reine de vingt ans, Vous qui traitez si mal les gens, Vous repasserez la barrière
Laire, laire, laire, lanlaire, laire lanla.*)
VT Die neuen Moden.
Die Königin hatte ſich in das Unabwendbare gefügt, ſie hatte es aufgegeben die Wünſche ihrer Mutter zu erfüllen, und den Herzog von Choiſeul wieder zum Miniſter zu befördern. Mit dem ihr eigenen feinen Tact hatte ſie erkannt, daß ſie in dieſem Punkt ihren Gemahl, der ſonſt ſo ſehr geneigt war, den Wünſchen Anderer nachzukommen, unbeugſam finden würde, und daß daher ein ferneres Verfolgen ihrer Wünſche für ſie ſelber gefährlich werden müßte, weil es ihr eine Niederlage bereiten, und gar leicht die Zuneigung wieder zerſtören könnte, welche der König ſeit einiger Zeit für ſeine junge Gemahlin an den Tag legte.
Schon kannte Ludwig kein größeres Vergnügen, als neben ſeiner jungen Gemahlin zu ſein, und oft ſah man ihn ſtundenlang an ihrer Seite in den ſchattigen Alleen des Parks auf und abwandeln, mit hei⸗ term Geſicht ihren Worten lauſchend, und frohmüthig eingehend auf ihre muntere Laune und ihre jugendliche Heiterkeit. Schon konnte es ihm geſchehen, daß er auf dieſen Spaziergängen leiſe den Arm um ihre ſchöne Taille legte, und ganz verſtohlen und ſcheu einen Kuß auf ihre volle, weiße Schulter drückte.—
*) Mémoires de Madame de Campan. Vol. I, p. 90. 91.


