Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Haupt in dem wunderbarſten und ſchneidendſten Contraſt zu ihrer voll⸗ kommen jugendlichen und coquetten altmodiſchen Toilette ſtand.

Ein ſeltſames Zucken flog über das Antlitz der Königin hin, eine glühende Röthe ſchoß über ihre vorher ſo bleichen Wangen, zum zweiten Mal ſiegte die Jugend und die Heiterkeit über die Königswürde und die Etiquette, zum zweiten Mal mußte Marie Antoinette den Fächer auf⸗ ſchlagen, um dahinter ihr Lachen zu verbergen.

Ein ziemlich vernehmbares, unwilliges Gemurmel ließ ſich in den Reihen der Damen vernehmen. Sie lacht über uns! flüſterten ſie un⸗ tereinander. Wir ſind ihr zu alt und ehrwürdig! Sie liebt nur die Jugend! Sie weiß nicht, was ſich ziemt für eine Königin!

Vergebens war es, daß Marie Antoinette, mit der ganzen Kraft ihres Willens ſich zuſammenraffend, von nun an wieder das ernſteſte, feierlichſte Geſicht zeigte, vergebens, daß ſie die Damen mit ihrem graciöſeſten Kopfneigen, ihrem reizendſten Lächeln willkommen hieß; ihre finſtern Mienen erhellten ſich nicht wieder, die Wolken verſchwanden nicht wieder von den welken Stirnen.

Der ſtrenge Areopagus hatte ſein Urtheil geſprochen: die Königin war eine leichtſinnige Frau! Sie hatte den ſchlimmſten aller Fehler, ſie war eine Spötterin! Sie verachtete die gute Sitte und den Wohlanſtand!

Die Zahl der Feinde der Königin vermehrte ſich an dieſem Tage um mehr als hundert Perſonen, welche ſich gegen die Königin bewaff⸗ neten, nicht mit Schwertern und Dolchen, ſondern einfach mit ihren Zungen, die aber mit ihrem Gift und ihrer Schärfe die Königin bald tiefer und gefährlicher verwundeten, als jede andere Waffe.— Der Kampf der Zungen gegen die Königin begann, und ihre erſte Waffen⸗ that war ein Spottgedicht auf Marie Antoinette, das am andern Tage auf eine geheimnißvolle und räthſelhafte Weiſe in tauſenden von Exem⸗

plaren durch ganz Paris verbreitet ward. Die Volksſänger auf dem

Pont-neuf, welche geſtern noch vor den entzückten Zuhörern der Straße ihr begeiſtertes Loblied:— O princesse, dans qui la France Sous les traits d'Hébé voit Pallas, 1 Heureuse par tes bienfaisances, Les vrais plaisirs guident tes pas etc. Kaiſer Joſeph. 2. Abth. III. 9

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