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puderten Haar niederfiel. Ein tiefer feierlicher Ernſt, ein Ausdruck von Würde und unnahbarer Hoheit war über die ganze Erſcheinung der Königin ergoſſen. Niemand verſtand ſo gut zu repräſentiren, und ſo ohne alle Affec⸗ tation und Anſtrengung die Würde und Größe darzuſtellen, als Marie An⸗ toinette, und mit Ueberraſchung und Staunen ſahen die alten ergrauten Damen der Regentſchaft und des üppigen Hofes Ludwigs des Funfzehn⸗ ten da vor ſich auf dem Thron eine junge Frau, deren ernſte, majeſtä⸗ tiſche Blicke, deren ſtolze Kopfhaltung ihnen imponirte, und deren Ant⸗ litz noch ſo ſehr den Ausdruck der Jugend und Unſchuld trug, daß die alten Damen ſich faſt gedemüthigt und beſchämt davon fühlten, und in der Bosheit ihres Herzens einander zuflüſterten: ſie iſt eine gute Co⸗ mödiantin! Sie verſteht es die Unſchuldige zu ſpielen! Sie giebt ſich ſehr geſchickt die Miene eines Mädchens von ſechszehn Jahren, denn ſie weiß ſehr wohl, daß das die Herzen rührt, und der Menge imponirt!
Marie Antoinette hatte indeß ihren Platz unter dem Thronhimmel eingenommen, zu ihrer Rechten und Linken befanden ſich die königlichen Prinzeſſinnen, hinter ihr in doppelten Reihen ſtanden die Damen ihres Ho⸗ fes, dem Thron gegenüber die Gräfin von Noailles, welcher ihr Amt die Pflicht auferlegte, jede der aus der Reihe hervortretenden Damen der Kö⸗ nigin vorzuſtellen, und mit lauter Stimme ihren Namen zu nennen.
Die Repräſentation begann. Feierlich, mit wankenden Schritten, auf ihren hohen Hackenſchuhen der Regentſchaft hin und her ſchaukelnd, nahten ſich, eine nach der andern, die hochehrwürdigen und hochadlichen Wittwen, welche es noch immer nicht vergeſſen konnten, daß ſie am üppigen Hof des Regenten die bezauberndſten, leichtfertigſten, tonange⸗ benden Schönheiten geweſen, und die, im völligen Ignoriren ihres Alters, ihrer Runzeln und ihrer Magerkeit, in der Tollette ihrer jun⸗ gen verführeriſchen Tage erſchienen waren.
Es war in der That ein wunderlicher Anblick, dieſe alten verwitter⸗ ten Geſtalten in den coquetten Coſtümen zu ſehen, dieſe verwelkten Geſichter, deren Runzeln kunſtvoll mit rubinbeſetzten Schönpfläſterchen geſchmückt waren, auf deren wackelndem Haupte ein coquettes ſchwarzes Hütchen, mit großen Schmetterlingen geziert, ſich wiegte, und dieſe tiefen Verneigungen zu ſehen, die mit dem Wackeln des Kopfes zu cor⸗ reſpondiren ſchienen. Die jungen Prinzeſſinnen ſchlugen angſtvoll und
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