Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Verachtung zu verwandeln, und zuletzt auf dieſe Weiſe doch noch zu erreichen, was die glühendſte Sehnſucht der anti⸗öſterreichiſchen Hof⸗ partei war: eine Scheidung des Königs von ſeiner Gemahlin, und de⸗ ren Rückſendung nach Deutſchland!

Im Schloſſe La Muette, wie geſagt, ſollte heute die erſte große Trauercour ſtattfinden, und die hoffähigen Damen hatten das Recht heut ungeladen zu erſcheinen, um ihrer jungen Souverainin ihre Hul⸗ digung darzubringen. Der große Thronſaal war zu dieſem allgemeinen Empfang feſtlich geſchmückt, und bot mit ſeinen Feſtons von ſchwarzem Krepp, ſeinen Silberverzierungen, ſeinen ſchwarzbehangenen Seſſeln, und ſeinem mit ſchwarzem Tuch und Silberfranzen verzierten Thron einen gar feierlichen und trüben Anblick dar. Hunderte von Damen füllten die eine Seite des großen Saals, und ſchauten alle mit ernſten Mie⸗ nen, mit neugierigen Blicken hinüber nach jener Thür, durch welche die Königin mit ihrem Hof nunbald erſcheinen mußte. Alles, was Paris, was Verſailles an hoffähigen Damen beſaß, war erſchienen, Niemand glaubte ſich davon dispenſiren zu können, der Königin ihre erſte Huldigung darzubringen. Die älteſten wie die jüngſten Damen waren herbeigeeilt, und man ſah da in wunderbarem Gemiſch das grei⸗ ſenhafte Alter mit der zarteſten Jugend, neben den Moden einer längſt vergangenen Zeit die neueſten Moden der Gegenwart.

Jetzt wurden die beiden Flügel der Thür da drüben geräuſchvoll geöffnet, und unter Vortritt ihrer Oberhofmeiſterin, der Frau von Noailles, erſchien die Königin mit ihrem Hof.

Ein allgemeines Gemurmel entſtand in der Verſammlung. Man hatte die Königin niemals ſo ſchön, ſo anmuthig und liebreizend ge⸗ ſehen, wie heute in dieſer Toilette der großen Trauer, in dieſem feier⸗ lichen Aufzug ihrer Königswürde, welche nur dazu diente, die Schön⸗ heit und Lieblichkeit der jungen Frau noch mehr hervorzuheben. Glänzend weiß wie eine Lilie hob ſich ihr wunderbar ſchöner, unverhüllter Hals aus dieſer Maſſe von Krepp, Seidenzeug und Spitzen hervor, die ihre ganze Geſtalt wie eine Wolke umhüllte; ihre Wangen waren heute, der Trauer wegen, ungeſchminkt, und von einer tiefen, durchſichtigen Bläſſe, die noch mehr hervorgehoben ward von ihren purpurrothen Lippen und

deem ſchwarzen Schleier, der von ihrem ſchönen, blonden, nur leicht ge⸗